Feb 292016
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Erwartungen als gesellschaftliches Muss

Ich ging lange Zeit davon aus, dass das Leben aus Erwartungen besteht, die man hat und, die erfüllt werden. Ich dachte, wenn ich mich an diese Regel halte, dann hält sich auch jeder andere daran. Dementsprechend bin ich in meinem Leben allen Erwartungen hinterher gehechelt, dachte ich doch, wie in der Schule beim Bienchen sammeln, dass es Fleißpunkte gäbe.

In den letzten Jahren, in denen ich so einiges in meinem Leben auf den Kopf stellte und feststellen musste, dass so vieles nicht am richtigen Platz lag, schaute ich mir auch die Erwartungen und die Erwartungshaltung unserer Gesellschaft an.

Kreislauf von Erwartungen

Wer etwas erwartete, ging davon aus, dass diese Erwartung erfüllt würde. Wurde die Erwartung erfüllt, gab es keine große Freude oder kein großes Fest, denn es wurde ja erwartet, war also nichts Besonderes. Wurden die Erwartungen nicht erfüllt, gab es eine große Enttäuschung. In diesem Moment der Verwunderung oder des Ärgers wurde nicht zu einem selbst geschaut, ob die Erwartungshaltung hinterfragt werden sollte, nein, zum Gegenüber. Wie konnte die andere Person sich erdreisten die eigenen Erwartungen nicht zu erfüllen? Mit der Person konnte etwas nicht stimmen. Dementsprechend fiel das Urteil aus. Der Interaktionspartner hatte sich keine Mühe gegeben, man selbst oder die Sache war nicht wichtig genug.

Folgen von Erwartungshaltungen

Im Grunde genommen gibt es bei Erwartungen nur Verlierer.
  • Die Person, die die Erwartungen nicht erfüllt, bekommt eine negative, mitunter gefrustete oder wütende, Reaktion.
  • Die Person, die die Erwartungen erfüllt, bekommt keine Reaktion, da man lediglich erfüllt, was erwartet wird.
  • Und die Person, die erwartet, kann sich über eine erfüllte Erwartung nicht freuen, denn das erwartete sie ja. Diente es lediglich als Grundlage, um sich nicht zu ärgern, war aber kein Grund sich zu freuen.
  • Und die Person, die erwartet, ärgert und fühlt sich angegriffen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt wurden.

 

Abhilfe für ein besseres Leben

Ich frage mich, wieso es diese Erwartungen gibt, wenn es keine Sieger gibt. Wozu dann das Ganze? Was kann eine Abhilfe sein, um das Leben mehr zu genießen, sich mehr an Dingen zu erfreuen und sich weniger zu ärgern?

Keine Erwartungen

Wer keine Erwartungen hat wird mit jeder Aktion des Interaktionspartners beschenkt, überrascht und erfreut. Es kann sich auch über Dinge gefreut werden, die vom Gegenüber ausgehen und die man nie und nimmer erwartet hätte. Denn der Nachteil bei der Erwartung ist, dass eine Richtung vorgegeben wird und die Scheuklappen verhindern die Sicht nach links und rechts. Abseits des Weges der Erwartungen. So wird bei der Erwartungshaltung vieles übersehen, was einen erfreut und beschenkt hätte. Man aber wegen der Fokussierung auf die Erwartungserfüllung nicht sieht.

Nichts erwarten

Wird aber nun nichts erwartet, wird keine Richtung, Höhe oder Weite vorgeben. Das bedeutet, dass die Person aus sich heraus etwas leisten, geben, schenken oder bieten kann. Und es gibt nur Gewinner. Keiner wird unnötig unter Druck gesetzt und keine unnötigen Hürden versperren den Blick auf das Wesentliche.

Mehr Freude durch weniger Erwartungen

Die Abschaffung der Erwartungshaltung lässt uns das Hier und Jetzt genießen, man kann sich wieder über Kleinigkeiten freuen. Das was einem angeboten wird, wird aus freien Stücken erbracht, und nicht, weil es sonst Ärger geben würde. Es wird erbracht, weil es Freude macht. Und jeder kann sich über die Leistungen, Handlungen oder dem Verhalten freuen.

Rebellion zum selbstbestimmten Leben

Der Zwang eine Norm erfüllen zu müssen entfällt und es wird ein rebellischer Schritt zum selbstbestimmten Leben gegangen. Einem Leben, was einem selbst entspricht und nicht einer Norm hinterher hechelt. Interessanterweise gibt es im Spanischen nur ein Wort für Erwartung und Illusion = ilusion. Und damit liegen sie richtig, es ist eine Illusion, wenn geglaubt wird, dass Erwartungen das Leben bereichern oder notwendig seien. Erwartungen sind Fesseln und Folterinstrumente, mit denen es keine positiven, aber viele negative Erlebnisse gibt. Probieren Sie es einfach aus. Sie werden staunen!

 

In diesem Sinne, zurück zum Spaß am Leben, in dem jeder seinen Weg beschreitet!

 

Eure,

 

Manon García

 

 

Manon Garcia - Autorin und Coach

Diplom-Ingenieurin Manon Garcia arbeitet als Autorin und Coach. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der (spät erkannten) Hochbegabung, der Hochsensibilität und dem Anderssein. Aktuelle Informationen finden Sie auf ihrer Website: www.manongarcia.de. Aktuelle Ratgeber zu den Themen: - Hochbegabung bei Erwachsenen - Hochbegabt oder hochsensibel - Das Anderssein leben.

  2 Responses to “Erwartungen vergiften das Leben”

  1. Hallo Manon,
    Danke für diesen (wahrscheinlich schon längst überfälligen) Artikel.
    Erst seit ein paar Wochen / wenigen Monaten übe ich mich darin, gemäß dem Motto „Erwarte nichts, und Du wirst nicht enttäuscht“ zu agieren. Das ist wahrlich nicht einfach, aber reine Übungssache. Und ich kann das ebenfalls jedem nur empfehlen es auszuprobieren, denn es lebt sich um so vieles leichter!!
    „Enttäuschung“ kommt bekanntlich von „täuschen“ und bedeutet für mich nicht, dass Andere mich getäuscht haben, sondern: ICH habe mich (in Anderen, mit meinen Annahmen und Erwartungen) getäuscht und diese Täuschung wurde beendet.
    Dabei geht es also ganz allein um meine Sicht der Dinge. Letztendlich kann ich nicht erwarten, dass meinen Ansprüchen und Erwartungen von den Anderen entsprochen wird. Also darf ich auch nicht erwarten, dass diese erfüllt werden.
    Ich kann die Welt nicht ändern; ich kann nur mich und meine Einstellung zu den Dingen ändern. Gelingt das, macht das Leben wieder viel mehr Spaß.
    Liebe Grüße,
    Monja

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