Dez 052016
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Positive Wirkung von Hunden auf Menschen

Hunde wirken positiv bei Depressionen und helfen Menschen aus der Isolation heraus. Allerdings gilt es bei der Kommunikation Hürden zu überwinden, denn ein Hund achtet auf Gestik, Mimik und Verhalten. Wie ich im ersten Beitrag zu diesem Thema allgemein ausführte.

Kommunikation zwischen Hund und Mensch

In diesem Beitrag möchte ich auf die Kommunikation mit dem Hund eingehen, der auf Merkmale und Verhaltensweisen achtet, die den beiden genannten Menschen schwerfallen.

Die Forschung mit Hunden und Wölfen hat herausgefunden, wie die Kommunikation zwischen Hunden funktioniert und somit auch zwischen Mensch und Hund. Es sind Gesten und die Haltung, die dem Hund Signale geben.

Hundekommunikation

Ein Lächeln sagt dem Hund, dass alles entspannt ist. Ein verkniffener Mund bedeutet Anspannung, Achtung Gefahr. Eine gebückte Haltung, vorgezogene Schultern, deuten daraufhin, dass man sich dem Hund unterwirft und die Führungsrolle des Hundes akzeptiert. Genauso ist es, wenn der Mensch auf den Hund achtet, ihn beobachtet und reagiert, wenn dieser einen anschaut. Das alles bedeutet für den Hund, dass er in seiner Führungsrolle bestätigt wird.

Wie verhalten sich depressive Menschen?

Sie sind meist kraftlos, lustlos und hängen durch. Schultern nach vorn, gebeugte Haltung, durch die Aussichtslosigkeit gibt es eher selten ein Lächeln, eher einen verkniffenen, verzweifelten Mund. Dazu einen leeren Blick und ein schleppender Gang. Energie ist selten in großem Maße vorhanden. Ein bestimmtes Auftreten zählt eher weniger zum Repertoire.

Wie verhalten sich Menschen mit dem Asperger-Syndrom?

Mimik ist für diese Menschen eher zweitrangig. Bei anderen könnten sie wenig damit anfangen, da sie sie oftmals nicht verstehen. Bei sich selbst achten sie deshalb nicht sonderlich auf ihre Mimik und ihnen wird oftmals gesagt, wenn du lächelst, hast du ein hübsches Gesicht. Diese Menschen lassen ihre Gesichtsmuskeln hängen, egal, ob sie glücklich oder traurig sind. Nicht selten werden sie angesprochen, was sie denn hätten, weil andere Menschen aufgrund der Mimik davon ausgehen, dass sie etwas bedrückt. Dabei geht es den Aspergern möglicherweise gut, aber es macht sich für andere nicht im Gesicht bemerkbar.

Auswirkungen auf die Beziehung mit dem Hund

Egal, ob depressiv oder Asperger, bei beiden wird dem Hund etwas suggeriert, was dieser falsch deuten kann. Der Hund könnte unsicher reagieren, weil die Körpersprache mitunter etwas anderes aussagt, als die Tonalität der Sprache oder der Handlung, wie der Gabe von Leckerlies.

Oder aber, der Hund glaubt, aufgrund der Verhaltensweisen des Menschen, der Rudelsführer sein zu müssen, aber dann kommen Reaktionen des Menschen, die dieses infrage stellen. Hier können sich Konflikte ergeben, die eskalieren können, denn in der Rolle des Rudelführers muss der Hund reagieren und sein Rudel bewachen und sanktionieren.

Notwendige Veränderungen für die Verständigung

Ein Mensch mit hängenden Schultern müsste diese zurückziehen und zumindest so tun, als ob er bestimmt auftritt. Auch muss der Mensch so tun, als hätte er Energie, zudem gilt es zu lächeln, wenn der Hund etwas gut macht und keine Gefahr droht. Vorangehen und dem Hund das Gefühl geben, dass man alles im Griff hat, ist aber verdammt schwer, wenn man sein eigenes Leben noch nicht mal schafft und alles zu schwer scheint.

Auswirkungen auf den Menschen

Es ist zu hoffen, dass der Blick in die Hundeaugen und das Wissen, dass der Hund durch inkonsequentes Verhalten in eine Rolle gedrängt wird, in die er nicht möchte, und die ihm nicht guttut, helfen, bei sich diese Veränderungen vorzunehmen. Und, wenn dem Hund Stärke suggerieren wird, die noch nicht vorhanden ist, diese Vortäuschung und die Reaktion des Hundes helfen, dass der Mensch langsam aber sicher die Stärke aufbauen kann, die er vorgibt zu haben. Die Täuschung dazu führt, dass der Mensch sich von innen aufbaut und zurück ins Leben findet.

Eine weitere Folge ist, dass man sich genauer beobachtet und auf sich achtet. Plötzlich wird einem bewusst, wie oft man die Mundwinkel nach unten gezogen hat und zieht sie dann nach oben. Nicht übertrieben, nein, angemessen. Sich selbst beobachten ist ein erster Schritt zu mehr Selbstbewusstsein, sich selbst wieder bewusst werden. Auf sich achten, ist der erste Schritt zur Selbstachtung.

Therapeutische Wirkung durch einen Hund

Es ist erwiesen, dass Hunde eine positive Wirkung auf Menschen haben, besonders auf depressive Menschen. Das wertfreie und vorurteilsfreie Verhalten eines Hundes, die Begleitung, die Anwesenheit, das Streicheln, die Bewegung, sind Punkte, die dem Menschen nachweislich aus seinen Depressionen holen können. Der Spaziergang hilft aus dem Haus zu gehen, wenn einem nur nach dem Verkriechen im Bett zumute ist. Aus seinem (selbstgewählten) Gefängnis zu entkommen, gibt einem ein Gefühl von Freiheit, auch, wenn diese nicht freiwillig, sondern notgedrungen erledigt werden, weil der Hund sein Geschäft erledigen muss oder aber Bewegung braucht.

Das gilt natürlich auch für Menschen mit dem Asperger-Syndrom, die sich nicht verstanden und mitunter wie ein Alien fühlen. Oftmals wird der freiwillige Rückzug in die eigenen vier Wände gewählt, um sich diesen Begegnungen mit anderen nicht mehr stellen zu müssen. Mit dem Hund gilt es aber regelmäßig aus dem Haus zu gehen. Auch bleibt es nicht aus, dass man aufgrund des Hundes in Gespräche verwickelt wird. Hier werden Gespräche geführt, die einem Asperger leichter fallen, weil es ein festes Thema gibt: Hund. Das kann erweitert werden zu Hundetraining, Hundeprobleme, Hundeverhalten, etc. Die Smalltalk-Gespräche mit Nachbarn werden durch Hunde-Gespräche ersetzt, die leichter zu führen sind. Somit wird die Isolation ein Stück weit aufgehoben.

Fazit

Depressive Menschen und/oder Menschen mit dem Asperger-Syndrom, die sich zurückziehen und denen an ihrer Haltung deutlich anzusehen ist, dass sie darunter leiden, müssen dieses mit einem Hund überdenken und ändern, um ihn nicht in eine gefährliche Situation zu bringen. Diese Veränderung fällt natürlich nicht leicht, aber wenn einem die liebevollen, treuen Augen anschauen, gibt es vielleicht die notwendige Motivation, um diese Veränderungen anzugehen. Wurden diese Veränderungen, wenn auch anfangs vorgetäuscht, geschafft, entwickelt sich eine Verbundenheit mit dem Hund, die stärkt und aufbaut.

Eure,

Manon García

Nov 222016
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Positive Wirkung von Hunden

Hunde wirken beruhigend und helfen Menschen mit Depressionen aus ihrem dunklen Loch zu kommen oder Menschen mit dem Asperger-Syndrom unter Leute zu gehen. Eine Hundeerziehung funktioniert anhand der Hundepsychologie über Energie und Führung und es Bedarf Gespräche mit Mitmenschen, aber wie sollen das Depressive oder Asperger-Menschen hinbekommen?

Auswirkungen von Depression oder Eigenschaften vom Asperger

Depressive Menschen oder Menschen mit Asperger sind mitunter schlapp, müde oder kraftlos, gehen aus unterschiedlichen Gründen nicht aus dem Haus, gehen Menschen aus dem Wege, mögen kein Smalltalk, leben oftmals mit Ängsten, fühlen sich unverstanden, sodass sie sich einigeln und allein sind. Gerade das Unverstandene und die Ausweglosigkeit aus dem Alleinsein kann sehr bedrückend sein.

Kommunikation von Hunden

Hunde sind Rudeltiere, die mittels Körpersprache, Sprache, Mimik und Energie kommunizieren. Gerade die Energie ist ein wichtiger Faktor bei der Kommunikation innerhalb einer Gruppe. Sie leben im Hier und Jetzt und spiegeln die Emotionen des Gegenübers. Sie sind zufrieden und glücklich, wenn sie einen Führer haben, dem sie folgen können, ausreichend Bewegung und Essen haben. Sollten dazu noch Streicheleinheiten kommen, ist die Welt perfekt.

Passen Depression und Hund zusammen?

Ein depressiver Mensch könnte seine Depression eindämmen oder gar besiegen, wenn er einen Hund besitzt. Aber der Hund muss geführt werden, was ein müder, kraftloser Mensch kaum bieten kann. Fehlt doch oftmals sogar die Kraft sich selbst zu führen. Wie aber passt das jetzt zusammen?

Passen Asperger-Menschen und Hund zusammen?

Einem Menschen mit dem Asperger-Syndrom wird oftmals nachgesagt, dass seine Mimik distanziert oder abwesend wirkt. Auch scheint das Gesicht oft eingefroren. Aber ein Hund liest im Gesicht. Er erkennt, ob jemand griesgrämig oder freundlich schaut. Ein Rudelführer soll freundlich und bestimmt auftreten. Wie passt das zusammen?

Wird sich ein Hund angeschafft, muss sein Leben umgekrempelt werden, was anfangs gerade für den Asperger / die Aspergerin eine Tortur sein kann. Alles was vorher an Struktur vorhanden war, wird durch einen Hund oder Welpen über den Haufen geschmissen. Nichts ist mehr wie es wahr!

Auch depressive Menschen schaffen es oftmals nicht, sich eine Struktur zu geben. Wie soll da eine Struktur für einen Neuankömmling geschaffen werden?

Vorteile von einem Hund

Die Vorteile liegen aber auf der Hand. Sei es, dass man nicht mehr alleine ist, sich verstanden fühlt, automatisch durch die Spaziergänge mehr Bewegung bekommt, durch die Mentalität eines Hundes mehr im Hier und Jetzt gelebt wird und, wenn man es zulassen kann, die Ruhe vom Hund auf einen selbst übergeht.

Nachteile von einem Hund

Allerdings wiegen die Nachteile schwer. Durch die Spaziergänge und einem Hund wird man öfters in Gespräche verwickelt, denen man nicht mehr so leicht entfliehen kann, es muss Verantwortung übernommen werden, auch, wenn einem danach ist, sich nur noch ins Bett zu legen und zu verkriechen, die Angst Fehler bei der Erziehung zu machen wiegen schwer.

Chancen, die sich mit einem Hund ergeben

Die Chance, dass die Vorteile überwiegen, sind gut, wenn es sich um einen Hund handelt, den man wirklich liebt/mag. Das Herz muss aufgehen, wenn man in die treuen Augen schaut oder man mit der feuchten Nase angestupst wird. Die Verbindung, die zwischen Hund und Mensch aufgebaut werden kann, wird viele Entbehrungen ausgleichen, die gemeinsamen Unternehmungen, die Kommunikation, die in der Form oftmals nur mit Tieren vorkommt, wiegen viele Nachteile auf. Zudem bleibt die Hoffnung, dass die Depression abgeschwächt oder gar bekämpft werden kann, und, dass der Mensch mit Asperger sich durch seinen Hund wieder in der Gesellschaft bewegen kann, weil er bestärkt und motiviert.

Wer sich auf eine harte Anfangszeit einstellt, aber das Ziel vor Augen hat, der kann diese überstehen und ein neues Leben beginnen.

Zu diesem Thema werde ich einzelne Punkte aufgreifen, was passieren kann, wenn man sich einen Hund anschafft und depressiv und/oder das Asperger-Syndrom hat. Beim Hund handelt es sich aber nicht um einen speziell ausgebildeten Hund für Asperger oder Autisten.

Ich wünsche euch ein erfülltes Leben, mit oder ohne Hund!

Eure,

Manon

 

Okt 112016
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Fragen zum Asperger-Syndrom


• Gibt es wirklich weniger Frauen als Männer mit Asperger-Syndrom?
• Was passiert, wenn sich Menschen mit Asperger so sehr anpassen, dass sie nicht mehr erkannt werden? Nicht von sich, nicht von anderen?
• Wie kommt man aus dieser Falle heraus?

Kompensationsstrategien

Nach Tony Attwood gibt es vier Kompensationsstrategien beim Asperger-Syndrom:

  • Reaktive Depression (Schuld bei sich selbst suchen)
  • Flucht in die Fantasie
  • Nachahmen/Anpassen
  • Leugnen und Überheblichkeit

In meinem heutigen Beitrag geht es um das Nachahmen und die Anpassung.

Sozialisation von Frauen

Frauen generell zeigen durch ihre Gene und der Sozialisation das Verhalten des Zusammenhalten und der Herstellung von Harmonie. Wohl auch aus diesem Grund setzen Aspergerinnen meistens die Nachahmung und Anpassung von den oberen vier Punkten ein.

Was bedeutet Kompensation?

Laut Wikipedia (Stand: 10.10.2016) bedeutet Kompensation Ausgleichen oder Ersetzen. Im psychologischen Kontext bedeutet das, dass vermeintliche Mängeln oder negative Eigenschaften durch andere Fähigkeiten ausgeglichen oder ersetzt werden.

Aspergereigenschaften kompensieren

Menschen mit Asperger (bzw. einer Autismusspektrumstörung) versuchen ihre vermeintlichen Defizite, ihre ungeliebten Eigenheiten durch ein angepasstes Verhalten zu ersetzen, welches sie durch Handlungen und Äußerungen im Umfeld nachahmen. Sie passen sich an und funktionieren, sodass sie nicht mehr auffallen und dazu gehören.

Versteckte Aspergerinnen

Aspergerinnen sind in der Lage sich unter Umständen dermaßen perfekt an ihr Umfeld anzupassen, dass sie nicht entdeckt werden, besonders, wenn noch eine Hochbegabung/Hochsensibilität hinzukommt. Attwood erforschte, dass deshalb nur ungefähr ein Viertel der Aspergerinnen erkannt und diagnostiziert werden. Bis dato wurde fälschlicherweise davon ausgegangen, dass es mehr Asperger als Aspergerinnen gibt. Man sprach von einem Verhältnis 4 : 1 ( Männer : Frauen).

Folgen dieser Kompensationsstrategie

Menschen mit dem Asperger-Syndrom haben das Anpassen mitunter derart verinnerlicht, dass sie nicht nur das Umfeld täuschen, sondern auch sich selbst. Sie wissen weder, wer sie sind, noch wenden sie die Anpassung bewusst an. Das ständige Anpassen und Nachahmen erfordert unwahrscheinlich viel Kraft und Energie. Läuft die Anpassung automatisch ab, werden keine bewussten Pausen oder Auszeiten genommen. Die damit einhergehende dauerhafte Überforderung führt diese Menschen oftmals in eine Unzufriedenheit oder schlimmer, in Krankheiten wie Depression.

Änderungen des Mechanismus

Wer diese Entwicklung in seinem Sinne ändern möchte, sollte diesen Automatismus durchbrechen. Hierfür ist ein bewusster Umgang mit sich und seinem Umfeld notwendig. Handlungen und Äußerungen sollten reflektiert und analysiert, um zu erkennen, warum man tut, was man tut. Auch die Frage, ob das Verhalten antrainiert oder das Eigene ist, ist wichtig. Je nachdem, sollten sich Strategien überlegt werden, um mehr aus sich selbst heraus zu unternehmen und man wieder man selbst sein kann.

Schwierigkeiten

Natürlich ist es nicht einfach plötzlich auf sich zu hören oder man selbst zu sein. Denn wer sein Verhalten perfektionierte, und immer erst im Außen schaute, was „richtig“ oder „angemessen“ ist, dem fällt die Umstellung schwer. Aber das Ziel lautet: sich selbst zu fragen und aus sich selbst heraus zu agieren.

Mein Fazit

Aspergereigenschaften werden unter anderem durch die Kompensationsstrategie Nachahmen und Anpassen kaschiert oder ganz verheimlicht, vor allem von Frauen. Diese ständige Überforderung führt nicht selten zur Unzufriedenheit oder Krankheiten wie Depression. Diese Entwicklung umzukehren bedarf einer ständigen Reflexion, um die Automatismen zu erkennen, zu durchbrechen und stattdessen sich selbst zu entdecken. Dieser Weg ist nicht immer einfach, aber umsetzbar.

Traue dich und bringe dich als vollständigen Menschen zum Vorschein! Du bist es Wert gesehen zu werden!

Eure,

Manon García  😀

 

Das Video zu diesem Beitrag gibt es hier:

 

 

Mrz 112013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Depression durch unerkannte Hochbegabung

Viele Hochbegabte erfahren erst durch eine Depression von ihrer Hochbegabung. Es ist bekannt, dass eine fehlende Identität oder eine ständige Ablehnung und Ausgrenzung zu Depressionen führen kann. Aus diesem Grund untersuchen immer mehr Therapeuten, Psychologen und Neurologen, ob eine Hochbegabung vorliegt. Vielen Menschen ist nicht bewusst, was die Eigenschaften dieser Krankheit sind, wie es sich äußert oder äußern kann, dass es verschiedene Symptome und Verhaltensweisen gibt, weshalb vielen Depressiven Unverständnis und Ungläubigkeit entgegen springt.

Depression – gesellschaftlich anerkannt

In den letzten Jahren ist die Depression anerkannt, auch gesellschaftlich. Einige Prominente Bürger waren von Depressionen betroffen, was half diese Krankheit gesellschaftsfähig zu machen. Wird erfahren, dass jemand an Depressionen erkrankt ist, wird dieses bedauert. Hörte man doch so vieles negatives darüber. Aber im Grunde genommen weiß kaum einer, was eine Depression genau ist.

Wissen über Depression

Landläufig wird davon ausgegangen, dass jemand, der depressiv ist, im Bett liegt, antriebsarm ist und in so gut wie jeder Situation überfordert ist. So weit so gut. Aber in diesem Zustand gehen depressive Menschen selten aus dem Haus, außer zum Arzt oder Therapeuten. In dieser Zeit ist die heimische Höhle, das Bett, die Wohnung, das einzige, worin sich diese Menschen aufhalten mögen. Schon der Gedanke aus dem Haus gehen zu müssen, kann diese Menschen überfordern und sie innerlich zusammenbrechen lassen. Oder eine banale Frage: Gericht A oder B, kann diese für die nächsten Tage aus der Bahn werfen. Es sind die alltäglichen Arbeiten und Tätigkeiten, die überfordern. Das schlimmste an einer Depression ist wohl, dass die Menschen mitansehen müssen, wie sie mit Kleinigkeiten überfordert sind, über die sie früher noch nicht mal nachdachten. Da war es schon erledigt, bevor es ausgesprochen wurde. Weil zur Last der Depression die Scham über die Hilflosigkeit hinzukommt, steht der Wunsch nach einer einsamen Insel ohne Erwartungen, Druck, Stress bei vielen ganz oben auf der Liste.

Depressive in einer depressionsfreien Zeit

Es gibt Phasen, in denen sind depressive Menschen mit allem überfordert, da kommt dem Zähneputzen einem Marathon gleich. Aber es gibt natürlich auch die Phasen, in denen man sein Leben im Griff zu haben scheint. Vieles von dem, was vorher unmöglich schien, ist möglich. Die Freude und der Spaß sind zurück. Nicht wie früher ohne Depression, aber doch wesentlich besser, als in den Depressionsphasen. Unternehmungen sind wieder lohnenswert und die Aussicht nicht mehr alleine zu sein, macht glücklich. Mit der Depression wurden die gefühlten 100 kg abgelegt, die sonst auf dem Körper liegen und jede Bewegung unmöglich machen. Der Wunsch unter Menschen zu gehen ist groß.

Der Blick von außen auf einen depressiven Menschen

In einer depressionsfreien Zeit sehen Menschen von außen so aus, wie jeder andere. Sie gehen unter Menschen, sie lachen und haben Spaß. Sie bewegen sich, als gäbe es keine Krankheit. Und sie genießen diese Phase, um Kraft zu tanken für die nächste Depression. Sie nehmen alles mit, wissen sie doch nicht, wann sich das nächste Loch auftut. Außerdem hofft jeder depressive Mensch, dass die gute Phase die endgültige ist. Wird doch hart an sich gearbeitet und jede Hochphase kann das ersehnte Ziel sein. Der Außenstehende sieht also einen „gesunden“ Menschen und denkt, alles ist wieder gut. Sofort wird erwartet, dass das jetzt der anhaltende Zustand ist. Wird dieses von den depressionen Personen mit Vorsicht gesehen, kommen Sprüche, dass man nur positiv denken müsse, dann klappt das auch. Sprich: Depressive müssten nur positiv denken und schon wäre die Krankheit weg.

Unverständnis bei Rückfällen

In den Hochphasen werden natürlich Termine vereinbart und sich verabredet. Geht ja jeder Mensch davon aus, dass diese Phase endgültig ist. Auch der depressive Mensch. Allerdings rechnet der Depressive damit, dass es anders kommen kann, im Gegensatz zu Außenstehenden. Diese reagieren mit Unverständnis, fühlen sich persönlich angegriffen, wenn wieder eine Verabredung abgesagt wird. Es kann sogar zu verbalen Angriffen kommen, wenn unterstellt wird, dass die Absagen immer nur bei einem selber sind und nicht bei anderen. Zusätzlich zu der eigentlichen Krankheit kommen nun auch noch Vorwürfe, Unterstellungen und Unverständnis.

Schwierigkeit mit der Depression

Oftmals erkrankten gerade vitale, aktive, erfolgreiche oder selbstbewusste Menschen an einer Depression. Sprich, die Depression zwingt diese Menschen zum Nichtstun, zum Innehalten, zum Nachdenken, zum Erkennen der Hilflosigkeit. Dieser Mensch kann keine Kraft tanken, in dem er wie früher Leistung erbringt und dadurch Lob und Anerkennung bekommt. Nein, er muss ohne Anerkennung von außen auskommen und sich selbst eingestehen, dass er genau so ist, wie er nie sein wollte: hilflos, schwach, abhängig. Schwierig ist zudem, dass sich Depressive erst erlauben müssen, innezuhalten. Sie müssen sich erlauben nicht zu arbeiten. War das doch das normalste von der Welt und dafür lebten sie schließlich. Egal, ob sie krank waren oder überfordert. Egal, ob übermüdet oder nicht. Sie standen auf, weil sie zur Arbeit mussten, weil sie arbeiten mussten oder weil sie gebraucht wurden. Sie standen auf, weil sie etwas erreichen wollten. Nun gibt es keinen Grund mehr aufzustehen, denn sie können nicht mehr Arbeiten, nicht mehr leisten, sind nicht mehr erfolgreich und auch sonst nicht nützlich. In dieser Phase stellen diese Menschen fest, dass von den materiellen Dingen nicht viel übrig bleibt. Manchmal sogar gar nichts, weil die Abwärtsspirale zur sozialen Abhängigkeit sehr kurz sein kann. Sie müssen erkennen, dass ihre Aufopferung für nichts war.

Heilung durch Selbstliebe

Diese ehemals erfolgreichen Menschen blicken zurück und sehen, dass alles, wofür sie arbeiteten weg ist oder nicht mehr wichtig. Die scheinbare Anerkennung von außen bezog sich nie auf die eigene Person, sondern auf die Leistung, die erbracht wurde. Die Freundschaften reduzieren sich auf ein Minimum, wenn man Glück hat, ansonsten auf die Zahl Null. Die Menschen, die zu einem aufschauten, haben sich schon lange abgewandt und blicken nun zur nächsten Person auf, die erfolgreich ist. In dieser Zeit wird die fehlende Selbstliebe schmerzlich vermisst. Der Blick zu sich wurde durch das Streben nach Erfolg und Anerkennung ersetzt. Warum auf sich schauen, wenn etwas geleistet werden kann. Der Nachteil hierbei ist, dass Lob und Anerkennung vergänglich sind, die Selbstliebe aber, die steht immer zu einem. Denn sie verlässt einen nie! Vorausgesetzt, sie wurde aufgebaut und ist vorhanden.

Fehlende Selbstliebe in der Krise

Ein Mensch, der sich selbst nicht liebt und zu dem keine Anerkennung von außen bekommt, weil er durch die Krankheit nicht mehr funktioniert, kann einsamer nicht sein. Das einzige, was diesem Menschen jetzt und in Zukunft helfen wird, ist eine gesunde Selbstliebe. ABer wie soll diese aufgebaut werden, wenn noch nicht mal Erfolge durch Arbeit, Sport oder Hobby vorzuweisen sind? Der Mensch muss erkennen, dass er liebenswert ist auch ohne Leistung, ohne Erfolge, ohne Arbeit. Der Mensch an sich ist es wert geliebt zu werden. Aufgrund der Tatsache, dass es ihn gibt. Da ist es egal, welche Eigenschaften der Mensch hat. Jeder Mensch ist liebenswert, wertvoll und wichtig.

Selbstliebe als Wegweiser aus der Depression

Dieses zu erkennen, dass jeder Mensch, also auch man selbst, liebenswert, wertvoll und wichtig ist, muss sich hart erarbeitet werden. Wurde dieses bis dato immer anhand von Leistungen und Erfolgen aufgehängt. Die Depression erschwert diesen Weg zusätzlich, will sie einem doch weis machen, dass man nutzlos, faul und entbehrlich ist. Und trotzdem – der Weg heraus führt nur über die Selbstliebe. Wer es schafft diese in einer Phase aufzubauen, in der kein Lob, keine Anerkennung, keine Leistung, nichts ist, der wird diese Selbstliebe nie mehr verlieren. Denn die Selbstliebe ist treu und verzeiht, dass sie bis dato achtlos liegen gelassen wurde. Für viele Depressive ist es auch wichtig, diesen Weg entgegen allen Widrigkeiten und Anfeindungen zu gehen. Denn wer diesen Weg in dieser schweren Zeit gehen konnte, wird ihn fortan konsequent fortsetzen. Wird mit Leichtigkeit, Freude, Bewusstheit und Zufriedenheit sein Leben mit der Selbstliebe genießen.

Wichtig ist, dass erkannt wird, dass die Bereitschaft für diesen Weg in einem Selbst vorhanden sein muss. Und die Selbstliebe ist die einzige Zutat, die die Depression abschwächt.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine immer wachsendere Selbstliebe, die der Depression keine Chance mehr lässt.

Eure

Manon García

 

p. s.

In meinem Ratgeber „Hochbegabt oder hochsensibel – Das Anderssein leben mit Selbstbewusstsein und Selbstliebe“ gehe ich auf den Teufelskreis ein und biete mit der Anleitung zum Selbstcoaching eine Möglichkeit aus diesem herauszutreten.

 

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