Feb 262013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Kritik an starken Menschen

Ich bin so daran gewöhnt, dass man mich schwach sehen möchte, dass ich meine Argumente perfekt trainierte, warum ich nicht schwach bin. Aber ich scheine schwach zu sein, denn ich bleibe bei diesen Menschen, die mich immer weiter runterziehen. Aber im Grunde bin ich stark und wehre mich, was diese Menschen nur noch mehr dazu verführt, mich weiter nach unten zu ziehen. Sie geben erst auf, wenn ich leblos auf dem Boden liegen würde, aber dazu wird es nicht kommen. Es ist ein Kampf, ein endloser Kampf, den ich nicht verlieren werde. Niemals. Deshalb kämpfe ich, damit man mich am Leben lässt. Niemals werde ich auf dem Boden liegen und wenn, dann nur kurz, aber niemals werde ich am Boden liegen bleiben. Egal, wie viele Kämpfe ich ausfechten muss. Die Zahl der Menschen ist schier unendlich, die mich immer wieder rutnerziehen. Wenn ich glaube Luft holen zu können, dann kommt der nächste daher. Das muss aufhören!

Gewohnheit oder Prägung?

Aber warum begebe ich mich in die Nähe dieser Menschen? Warum gehe ich nicht fort? Ich könnte weggehen, weg von diesen Menschen. Warum versuche ich diesen sinnlosen Kampf zu kämpfen? Warum gehe ich nicht weiter? Dorthin, wo man sich freut, wenn ich stark bin? Wo es Menschen gibt, die auch stark sind und mich deshalb so sein lassen, wie ich bin. Die mich nicht nach unten ziehen. Denn sie sind oben und wenn sie ziehen, dann mich nach oben. Nach oben. Mich.

Die Suche nach der passenden Strategie

Aber wie schaffe ich es, mich von den schwachen Menschen zu distanzieren? Wie komme ich zu denen, die das Leben genießen; die sich um sich kümmern; die auf ihre Stärken schauen, um diese auszubauen; die  Spaß haben; die sich freuen, wenn sie starken Menschen begegnen, damit sie an diesen wachsen können. Immer weiter. Es gibt kein Ende. Der Horizont kann gar nicht genug erweitert werden. Für die starken Menschen ist der Horizont unendlich.

Vor Schwäche andere schwächen

Die Energie der schwachen Menschen ist ebenfalls unendlich. Sie spüren ihre eigene Schwäche, kommen mit dieser nicht klar und halten es nicht aus, wenn in ihrer Nähe jemand stark ist. Denn durch die Stärke dieser Person wird ihnen die Ausweglosigkeit ihrer Situation bewusst und das halten sie nicht aus. Das ist schierer Überlebenswille, denn ohne diese Strategie, würden sie kaputt gehen. Kaputt gehen an ihrer Schwäche. Also wird all ihre Energie aufgewendet, um andere zu schwächen. Sie möchten die starken Menschen auf ihr Niveau herunterziehen, dann fühlen sie sich nicht mehr schwach. Dann fühlen sie sich stark, immerhin ist ja ein starker Mensch auf ihrer Stufe, auf ihrer Ebene. Das kann nur heißen, dass sie jetzt auch stark sind. Nun hat sich all die Mühe und Energie gelohnt. Sie fühlen sich gut.

Gründe gegen eine Verhaltensänderung

Habe ich lediglich die Kraft mich gegen das Nach-Unten-Ziehen zu wehren? Reicht meine Kraft aber nicht, um aus diesem Wirkungskreis herauszutreten? Kann ich nicht einfach beiseite gehen, mich entfernen? Ich bräuchte diesen Menschen nicht begegnen, könnte ausweichen, weglaufen, egal was, aber fort. Warum ist das so schwer? Liegt es an der Erziehung, an der Sozialisation, am Umfeld? Sind die starken Menschen unter Umständen nichts anderes gewohnt? Kann sich nur vor diesem Ziehen wehren, wer bei der Erziehung starke Eltern oder starke Bezugspartner hatte? Nein, ändern kann jeder alles. Aber es sind Muster, die gelernt und gefestigt wurden. Diese nun aufzubrechen ist schwer, es erfordert viel Kraft und Energie. Aber diese lohnt sich, denn am Ende wartet sehr viel!

Die Freiheit!

Die Selbstbestimmung!

Ein aktives Leben!

 

Die Suche nach starken Personen

Mein Leben bestand aus dem Widerstand gegen dieses Herabziehen, gegen das Niedermachen, gegen das Schlechtreden. Meine ganze Energie musste ich investieren, um anderen zu verdeutlichen, dass sie im Unrecht sind, dass sie Dinge sehen, die nicht vorhanden sind. Aber natürlich alles lieb und nett und meist freundlich. Als starker Mensch möchte ich die schwachen Menschen nicht zusätzlich schwächen. Am liebsten hätte ich alle Menschen stark, weil dann kein Schwacher die Starken angreifen würde.

Bin ich nun stark? Habe ich Stärken?

Durch das ständige Kämpfen gegen das Nach-Unten-Ziehen habe ich meine Stärken aus dem Blick verloren. Welche Stärken habe ich? Bis dato hatte ich zu tun, mir nicht irgendwelche Schwächen einreden zu lassen. Aber Stärken? Habe ich welche? Und wenn ja, welche? Ich könnte anfangen mich auf mich zu konzentrieren und würde zwangsläufig mit meinen Stärken konfrontiert. Halte ich diese Konfrontation aus? Oder bin ich so in diesem „ich bin nicht schwach“-Modus, dass ich diese Konfrontation nicht aushalte? Habe ich etwa Angst zu meinen Stärken zu stehen? Habe ich das Verhalten der Schwachen bereits übernommen? Reicht meine Stärke, um mich selbst zu sehen? Ich müsste bei mir komplett neu anfangen. Mich finden lassen – von mir.

Starke Menschen gesucht

Starke Menschen könnten mir helfen. Ja, genau. Aber wie finde ich diese? Mein Blick ging nie in die Richtung Stärken, sondern in die Richtung Schwächen-einreden-vermeiden. Kann ich Stärken? Wie erkenne ich Menschen mit Stärken? Menschen, die mit sich zufrieden sind? Die ihre Schwächen genau so gut kennen, wie ihre Stärken? Die wissen, wie sie ihre Stärken leben? Die sich mit Starken umgeben, um noch stärker zu werden? Die mit Leidenschaft ihre Stärken ausleben und ein zufriedenes, glückliches Leben leben? Wie sehen diese Menschen aus? Warum sehe ich auf der Straße nur die Schwachen, aber nicht die Starken? Wohin muss ich meinen Blick wenden, um die andere Sorte Mensch zu finden?

Als starker Mensch erstarken

Aber ich bin stark, das weiß ich. Worin, weiß ich nicht. Was genau, weiß ich auch nicht. Noch nicht. Aber ich bin stark. Also werde ich es schaffen stark zu sein. Ich werde den Schritt beiseite gehen, raus aus dem Sog, der mich nach unten zieht, der mich klein und schwach macht. Raus aus diesem Sog, der von schwachen Menschen ausgeübt wird. Keine unnötige Energie in andere Dinge verschwenden. Ab nun werde ich auf  meine Stärken achten. Und wenn ich lange warten sollte, sie werden sich zeigen.

Stärken verschwinden nicht, sie gehen höchstens spazieren

Meine Stärken werden sich mir zeigen. Bestimmt. Es sind ja Stärken, die lassen sich durch falsches Verhalten nicht einfach beiseiteschieben. Nein, es sind ja Stärken. Sie haben sich höchstens eine Auszeit genommen. Gehen spazieren. Aber sie warteten die ganze Zeit auf ein Zeichen – von mir. Sie warteten, bis ich soweit bin. Bis ich endlich bereit bin meine Stärken zu sehen, zu respektieren und wertzuschätzen. Meine Stärken. Sie werden kommen und wir feiern ein Wiedersehen. Ein großes Fest mit allen Stärken. Und wenn das Fest zu Ende ist, werde ich meinen Weg in Richtung weiterer Stärken fortsetzen. Werde mich ausprobieren und lernen mit meinen Stärken umzugehen. Und dabei werde ich zwangsläufig auf starke Menschen treffen.

Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben die starken Menschen und ihre Stärken glücklich bis ans Ende ihres Lebens.

Die Moral von der Geschichte

Starke Menschen weicht von euren Stärken nicht!

 

In diesem Sinne wünsche ich euch ein langes und glückliches Leben.

Eure Manon García

 

p. s.

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Feb 212013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Altersweisheit

Im Grunde genommen wachsen wir alle mit der Information auf, dass jeder Mensch im Alter nicht nur alt, sondern auch weise wird. Als Kind stellt man sich dann den grauhaarigen weisen Menschen vor, der in seinem Schaukelstuhl (Rollstuhl) sitzt. Zu nichts mehr zu gebrauchen, aber weise. Da als Kind alles interessiert, aber nicht die Weisheit eines Menschen, der kein Fußball oder mit Puppen spielt, wird diese Information lediglich gehört. Als Jugendlicher, besonders während der Pubertät, interessiert diese Tatsache auch eher peripher. Als junger Erwachsener sickert bei all seinen Problemen langsam ins Hirn, dass es da was gäbe, so eine Weisheit, die mit dem Alter irgendwann kommt. Aber dann – zack – ab Mitte Vierzig ist es dann soweit. Es fallen die ersten Punkte auf, die man in seinem Alter entspannter angeht. Beispielsweise ist die Außendarstellung als junger Erwachsener oftmals wichtiger, als im fortgeschrittenen Alter, wenn die Kleidung nach Vernunftgründen oder wegen der Bequemlichkeit gekauft wird. Oder der Zwang einer Mode zu folgen ist auch in die Jahre gekommen, wie man selbst. Da weiß man endlich, dass man nun auch zu den weisen (alten) Menschen gehört. Die Frage stellt sich, wieso diese Weisheit nicht greifbar ist, wenn es drauf ankommt?!

Warum erst im Alter?

Wie unnütz ist denn eine Weisheit, die im Alter keiner mehr hören möchte, weil man mittlerweile zum alten Eisen gehört? Und wer mit der Zeit der Jugend nicht mitgehen kann, der wird nicht um Rat gefragt. Schauen Sie sich heute die Generation Oma und Opa an. Wie viele von denen wissen wie es ist, als Kind mit einem Nintendo aufzuwachsen? Die Kids von heute können eher twittern und simsen, als sprechen. Die Kids sammeln ihre Freunde virtuell und kommunizieren mit Daumensymbolen. Nein, das Wissen überholt sich mittlerweile zu schnell, sodass die Großelten eher selten einen Rat geben können. Wozu dann die Weisheit im Alter? Denn was soll eine Oma denn zum Enkel sagen, wenn dieser mit Cybermobbing anfängt? Nein, wichtig wäre es, wenn diese Weisheit bereits in dem Alter vorhanden ist, wenn sie gebraucht wird.

Wie entsteht eigentlich die Altersweisheit?

Na, das ist einfach zu beantworten. In der Kindheit wird durch die Erziehung und Sozialisation ein Mensch in die Richtung manipuliert, wie es sein Umfeld gerne hätte. Einem kleinen Menschen wird von Anfang an gesagt, wie es sein muss, damit es von Papa und Mama geliebt wird. Es erfährt schmerzlich, wie es ist, wenn es sich nicht dran hält, denn der Liebesentzug folgt umgehend. Das geht im Kindergarten und der Schule weiter. Selbst in den ersten Jahren des Erwachsenenalters ist es so, dass den eingetrichterten Mustern und Prägungen gefolgt wird. Irgendwann – so ab Mitte Vierzig – kommt man aus dem Fokus heraus. Es interessiert das Umfeld nicht mehr sonderlich, ob man nun den Erwartungen entspricht oder nicht. Meist hat man schon eine Familie oder „Erfolge“ erarbeitet. Sei es beim Sport oder im Beruf. Der Blick des Umfeldes ist entweder müde geworden, weil alt, oder auf die jüngere Genereation gerichtet. Da lohnt sich die Manipulation. Immerhin richtet man sich an junge Menschen, die von ihrem Umfeld abhängig sind. Da ist es einfacher zu wirken.

Also kann mit Mitte Vierzig (oder mit Mitte Fünfzig oder Mitte Sechzig oder …) endlich mal geschaut werden, was aus einem geworden ist, wenn sich immer an den Erwartungen anderer orientiert wurde. Im Grunde genommen hat man sich immer nach seinem Umfeld gebogen und gewendet und sich dabei die eine oder andere Verrenkung geholt. Aber erst jetzt ist das Fass am Überlaufen, sodass mit dem Mut der Verzweiflung mit dem Widerstand begonnen werden kann. Erstaunlicherweise kommt nicht der erwartete Entrüstungsschwall. Und wenn dieser doch kam, aber selbstbewusst abgeschmettert wird, verstummen die Stimmen schneller als sie aus dem Gehörgang entweichen können. Lunte wird gerochen, die Erfahrungen werden hinterfragt und nicht selten wird festgestellt, dass das meiste unnütz und umsonst war. Leider selten kostenlos, denn bei so mancher Erfahrung musste viel Lehrgeld gezahlt werden. Altersweisheit, nun ist sie erlangt und die Frage ist, was daran so besonders ist. Denn im Grunde genommen weiß jeder Mensch von Anfang an, was er will und was für ihn richtig ist. Nur leider gibt es zuviele Menschen im Umfeld, die darauf nicht hören und meinen alles besser zu wissen. So kommt es, dass das Freistrampeln erst beginnen kann, wenn auf den eigenen Füßen gestanden wird. Sprich ab Mitte Zwanzig. Nun müssen die eingepflanzten Glaubensätze erstmal aufgespürt und aufgebrochen werden. Das dauert meist ein paar Jahrzehnte, weshalb die vorhandene und angeborene Weisheit erst ab einem Alter von ca. Mitte Vierzig endlich wieder freigelegt wird.

Fazit zur überholten Altersweisheit

Ein Leben lebt sich leichter und entspannter, wenn die Weisheit beteiligt ist. Nur, solange diese durch das Umfeld, die Erziehung, später durch Prägungen und Glaubenssätze, weg manipuliert wird, ist an einem authentischen und glücklichen Leben nicht zu denken. Die weisen alten Menschen ruhen in sich, weil sie auf sich hören und nicht mehr Erwartungen hinterher hecheln. Wie schön wäre das Leben, könnte auf diese Ruhe bereits als Kind zurückgegriffen werden. Wenn einem jungen Menschen vermittelt wird, dass er okay ist, wie er ist. Dass es egal ist, was er tut, Hauptsache es glaubt an sich. Dass er als Mensch wunderbar ist, egal, was er leistet. Ein Mensch, der an sich glaubt, der wird weise Entscheidungen treffen. Natürlich kann sich auch ein weiser Mensch mal irren, aber das erkennt dieser und lernt aus seinen Erfahrungen. Diese Ruhe wünschte ich allen, aber dafür müssten Menschen aufhören zu denken, sie wären die einzigen, die wüssten, wie das Leben funktioniert und es anderen aufzwingen. Wir würden bereits in der Kindheit mit dem Reflektieren beginnen und so uns selbst bei allem begleiten. Uns stünde ein Leben in Weisheit zur Verfügung, die durch zusätzliche Erfahrungen erweitert wird. Und es müsste nicht auf das Alter gewartet werden, um endlich das tun zu dürfen, was man einem ein Leben lang verboten oder untersagt wurde.

In diesem Sinne, wünsche ich allen ein Leben in Weisheit,

eure Manon García

 

Feb 092013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Indie-Autoren Wettbewerb von neobooks und der Leipziger Buchmesse

Es wurde von neobooks, der Leipziger Buchmesse sowie deren Partner ein Wettbewerb ausgerufen, an dem ich mit meinem Ratgeber „Hochbegabung bei Erwachsenen – Erkennen, Akzeptieren, Ausleben“ teilnehme.

Bei der Bewerbung muss u. a. ein Autorenfoto beigefügt werden. Hier bin ich unschlüssig und bitte um eure Hilfe. Welches von diesen drei Fotos sollte ich verwenden und mit meiner Bewerbung einreichen? Womit habe ich die größten Chancen auf den Gewinn dieses Awards?

Fotos zur Auswahl

Bevor ich die Fotos hier einstelle, möchte ich mich bei Leo Wegener bedanken, der diese wirklich ausdrucksvollen Fotos erstellt hat.

 Foto Nummer 1

Manon Garcia, Autorin und Coach.

Manon Garcia, Autorin und Coach.

Foto Nummer 2

Manon Garcia - Autorin und Coach für hochbegabte Erwachsene

Manon Garcia – Autorin und Coach für hochbegabte Erwachsene

Foto Nummer 3

Manon Garcia - Autorin und Coach für hochbegabte Erwachsene

Manon Garcia – Autorin und Coach für hochbegabte Erwachsene

 

In den Kommentaren könnt ihr nun euren Favoriten eintragen. Nächste Woche werde ich mich entscheiden und euch informieren. 🙂

Jan 032013
 
Andrea Groh, Lektorin

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Gastbeitrag zum Thema Hochbegabung

Andrea Groh, freie Lektorin, hat beim Blogwichteln meinen Blog zum Thema: Hochbegabung bei Erwachsenen, gelost

Button für das Blogwichteln vom Frauen-Netzwerk Texttreff

und überlegt, wie es wohl wäre … hochbegabt zu sein. Es kamen drei interessante Überlegungen dabei heraus.

Dieser Gastbeitrag wurde im Rahmen des Blogwichtelns des Netzwerkes Texttreff initiiert. Wie schon im letzten Jahr wurden Blogs und Blogger von den Textinen in einen Topf geworfen und ausgelost. Mir wurde die Lektorin Andrea Groh zugelost, die witzigerweise auch die Lektorin meines Ratgebers: Hochbegabung bei Erwachsenen ist. Aber dieser eventuelle Interessenkonflikt war keiner, wie im Folgenden zu lesen ist.

Als ich hochbegabt war von Andrea Groh

Als ich hochbegabt war, war ich vom ersten Atemzug an ein Überflieger. Ich sparte mir den ersten Schrei, schluckte den Schleim runter und starrte die Hebamme, die mich in ihren Händen hielt, so verständig wie möglich an. Sie starrte zurück und erzählte später allen, dass sie noch nie ein Neugeborenes wie mich erlebt hätte, das aussah, als würde es die Geburt und die Welt verstehen.

Sechs Monate lang ernährte ich mich ausschließlich von Muttermilch, dann hörte ich vom einen Tag zum andern damit auf und ließ meine Mutter mit milchtropfenden Brüsten stehen. Es war Zeit, mich hinzusetzen und am Tisch alles mitzuessen, was meine Familie aß. Mit vier Jahren brachte ich mir selbst das Lesen bei, mit dem Schreiben wartete ich noch, um meine Eltern nicht zu überfordern. Ich sagte ihnen aber rechtzeitig, dass ich mit fünf Jahren in die Schule gehen müsse, und so kam es. In der Schule nahm ich alles mit, was mir geboten wurde, und ein-zwei Lehrer förderten mich, sodass es nicht gar zu langweilig wurde. Wenn ich es nicht mehr aushielt, durfte ich ins Musikzimmer gehen und dort singen. Ich hatte keine Lust auf ein Musikinstrument gehabt, wollte aber meine Stimme formen, sodass sie genau das machte, was ich wollte, gleich ob ich sprach oder sang. Ich hätte in jedem Fach Einsen haben können, gab mir aber Mühe, ab und zu auch Zweien und Dreien zu bekommen, schließlich wollte ich sozial kompatibel sein. So war die Schulzeit halbwegs erträglich, mit 16 machte ich mein Abitur. Dann fiel ich in ein Loch, weil ich nicht wusste, was ich anfangen sollte, studierte dann aber doch ein Fach mit Wirtschaft, fragt mich nicht, was, es ist nicht wichtig. Ich wurde Manager und nahm jedes Jahr drei Monate frei, um in dieser Zeit mit meinem Singen auf den großen Bühnen aufzutreten. Das gibt es nicht, sagt ihr? Mit dem richtigen Agenten und einem guten Stellvertreter geht alles. Ich hatte viel Geld und heiratete auch irgendwann, wir bekamen Kinder. Als sie aus dem Gröbsten raus waren, begann ich mit dem Schreiben. Ich schrieb komplexe Romane, die im Feuilleton in den Himmel gelobt wurden und auch tatsächlich gelesen wurden, von so vielen, dass ich mit den Auflagen Stephen King Konkurrenz machte. Einen Intelligenztest habe ich nie gemacht, wozu auch?

Als ich hochbegabt war, ging ich in den Kindergarten und in die Schule wie jedes andere Kind auch. Ich fiel nie auf, ich war der in der dritten Reihe, den die Lehrer sofort vergessen, wenn sie ihn ein paar Tage nicht sehen. Mein liebstes Fach war Mathe, ich war mathebesessen. In Mathe verstand ich schnell und wenn ich es nicht verstand, suchte ich erst allein und dann zur Not mit dem Lehrer nach der Lösung. Ich konnte mir Sachen sehr gut merken und die anderen ließen mich immer die Partys und die Ausflüge planen, das kann ich einfach besser als jeder sonst. Aufs Studieren hatte ich nach der Schule keine Lust, ich ging als Au-pair in die USA und blieb dort. In meiner Au-pair-Zeit hatte ich überlegt, womit ich mein Geld verdienen wollte und auch nach Monaten keine Idee gehabt. Bis mich beim Shoppen einer ansprach, der Umfragen machte, und wir uns auf einen Kaffee ins nächste Starbucks setzten. Ich fing dann in dieser Marktforschungsfirma an, erst quatschte ich stundenweise Leute auf der Straße an, dann rief ich Leute an, dann rutschte ich in die Büros, wo die Fragen zusammengestellt und ausgewertet werden. Ich hatte wieder mit Zahlen zu tun und mir war ziemlich schnell klar, dass das mein Beruf war.

In der Firma lernte ich jemanden kennen, wir waren zwei-drei Jahre zusammen, dann kamen die Kinder. Das älteste hatte Probleme in der Schule, es war nicht dumm, kam aber nicht mit und kam auch so nicht zurecht. Eine Lehrerin empfahl uns einen Intelligenztest, und dabei kam heraus, dass das Kind einen sehr hohen IQ hat. Das Institut, das den Test durchführte, riet uns Eltern, ebenfalls einen Test zu machen, warum nicht, dachte ich. Mein IQ war tatsächlich überdurchschnittlich, was mir in der Zeit danach einige durchwachte Nächte bescherte: Hätte ich etwas anders machen können? War mein Leben so okay, wie es war? Nach ein paar Wochen war meine Antwort: Ja, mein Leben ist okay, wie es ist. Ich wollte kein anderes. Das Thema war damit natürlich trotzdem nicht abgehakt, denn für unser Kind fing ja gerade alles erst an, und der Weg dieses Kindes schien nicht so glatt zu werden wie meiner …

Als ich hochbegabt war, wollte ich nicht auf die Welt, stellte mich quer und wurde mit einem Kaiserschnitt aus dem Bauch meiner Mutter geholt. Meine Eltern und mein Bruder schienen mir manchmal von einem anderen Stern zu kommen oder zumindest aus einem anderen Land, sie verstanden meine Sprache nicht – was ich ihnen sagte und was ich von ihnen wollte. Das Leben funktionierte trotzdem, ein Kind ist schließlich ganz und gar von den Menschen abhängig, die seine Familie sind. Und es gab auch schöne Momente. Als ich endlich in die Schule kam, dachte ich, alles wird gut. Endlich schreiben und lesen lernen, endlich Leute, die auf meine Fragen antworten. Am Anfang war es gut, bald nicht mehr. Als ich nicht mehr alles sofort begriff, verlor ich den Faden und es war mühsam, ihn wiederzufinden. Die anderen Kinder und die Lehrer waren bald wie meine Familie: anders als ich. Oder: Ich war anders als sie. Warum, wusste ich nicht, und es konnte mir auch keiner sagen. Eine Lehrerin verstand vielleicht ein bisschen: Sie nahm sich Zeit für mich und wiegelte meine Fragen nicht als dumm und überflüssig ab. Aber sie war nur ein Schuljahr da, dann kam sie nicht mehr. Warum, weiß ich nicht. Irgendwie schaffte ich die zehn Schuljahre und hatte am Ende einen Abschluss. Aber was sollte ich damit machen? Ich wollte nicht weiter in die Schule, und so begann ich eine Ausbildung. Ein Bürojob, welcher Art, müsst ihr nicht wissen. Ich war wie eingesperrt in diesem kleinen Büro, zusammen mit einem Kollegen, ich konnte mit diesem Beruf nichts anfangen. Lehnte aber nicht ab, als der Chef mich nach der Ausbildung fragte, ob ich bleiben wolle. Ich blieb und saß meine Zeit ab und wusste, dass es niemandem etwas brachte, dass ich tat, was ich tat, zuallerletzt mir selbst. Aber was sollte ich sonst tun? Im Herbst und im Frühling hatte ich Depressionen, und wenn es nicht mehr ging, ließ ich mich krankschreiben. Mein Ruf bei den Kollegen war nicht der beste, ich war der, der sich dauernd vor der Arbeit drückte und die anderen machen ließ. Es war mir egal, was sie dachten. Mein Psychologe ging in Rente und sein Nachfolger fragte mich all die Fragen noch einmal. Und sagte mir, ich solle einen Intelligenztest machen. Warum?, wollte ich von ihm wissen, und überlegte ewig, was ich tun sollte. Was, wenn ich hochbegabt war? Was, wenn nicht? Mit der Ungewissheit konnte ich nicht leben, und so machte ich den Test. Hochbegabt, so lautete das Ergebnis, und ich war glücklich wie nie zuvor und vollkommen überrumpelt zugleich. Mein Leben begann jetzt noch mal von vorn. Aber was würde ich damit anfangen?

Andrea Groh, Dezember 2012

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