Okt 312013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Psychologie Studium

Was macht man, wenn man Psychologie studieren möchte, aber weiß, dass alle Klausuren aus MC-Klausurfragen bestehen und gerade die ersten beiden Module mit so viel Wissen angereichert sind, damit ordentlich gesiebt wird?

Auswendiglernen.

Und nun sind wir beim Problem. Wie lernt ein hochbegabter Mensch auswendig, der/die noch nie lernte zu lernen und der/die eines mit Bestimmtheit sagen kann: Ich kann nicht auswendiglernen?

Lerntechniken lernen

Es gibt ein Fachbücher zum Lernen lernen. Eines davon habe ich durchgearbeitet, mich zudem mit Studenten unterhalten und auch sonst alles inhaliert, was es zu diesem Thema von der Fernuniversität Hagen an Informationen gab.

Erstaunlicherweise musste ich nicht seitenweise oder bücherweise etwas lernen, sondern es ging um wesentliche Lernschritte. Es ging darum, sich einen Text so anzueignen, dass er wieder gegeben werden kann. Zwar auch in eigenen Worten, aber hauptsächlich so, wie es im Skript steht und in der Klausur abgefragt wird.

Mein Lernen als unerkannte Hochbegabte

Ich konnte mir als junges Mädchen vieles merken. Begriff sofort, konnte das Wissen verknüpfen und auf andere Gebiete übertragen. Diese Transferleistung waren für mich selbstverständlich. Kannte ich es ja nicht anders und konnte so auch nicht wissen, dass es viele Menschen gibt, denen das nicht so leicht fiel.

Das Lernen und die Aneignung meines Wissens geschah in den ersten Lebensjahren mit dem Lesen von Text oder dem Hören von Informationen. Das reichte aus, um mir das Wissen anzueignen. Die Transferleistung täuschte damals darüber hinweg, dass ich nicht auswendig lernen konnte. Das fiel in den ersten Schuljahren nicht weiter auf. Keinem.

Meine bisherige Lernstrategie

Meine Lernstrategie hieß also: Lesen oder zuhören. Und ich wusste, wenn ich mit dem Lesen mir Dinge nicht merken konnte, dann war ich zu dumm. Soll es ja geben, dass Menschen für bestimmte Dinge zu dumm sind. Leider musste ich feststellen, dass ich mit zunehmender Schuldauer den Stoff, das Wissen zwar verstand, es sofort anwenden und transferieren konnte, aber dass ich es nicht eins zu eins wiedergeben konnte. Das machte sich in den Klausuren oder Arbeiten immer deutlicher bemerkbar.

Lieblingsbeschäftigung: Lernen

Ich ging für mein Leben gerne zur Schule und ich lernte für mein Leben gerne. Der einzige Wermutstropfen war, dass ich mein Wissen nicht in den Arbeiten mitteilen konnte, sodass die schriftlichen Noten immer schlechter wurden. Ich musste leider als Schülerin einsehen, dass zwar meine Lieblingsbeschäftigung Lernen und zur Schule gehen waren, aber ich zu dumm war, um mitzuhalten.

Die ständigen schlechten Noten, obwohl ich immer wieder zuversichtlich und die Arbeiten ging, verfehlten ihre Wirkung nicht und ich resignierte immer mehr. Mein Ziel eine Wissenschaftlerin zu werden, rückte in immer weite Entfernung, bis das Ziel nicht mehr zu sehen war. Ich mogelte mich durch, um überhaupt irgendwas zu schaffen, was ich arbeiten konnte.

Lehrmeister Schule

Das einzige, was ich in der Schule lernte, war, dass ich zwar vermittelten Stoff schnell verstehe, mich sofort austauschen und es auf andere Wissensgebiete übertragen (transferieren) kann, aber nicht in der Lage bin mir den Stoff so anzueignen, dass ich Arbeiten oder Klausuren bestehe.

Na gut, es gab noch etwas, was ich in der Schule lernte. Wer nicht auswendiglernen kann, muss gut schummeln können. Und ich konnte gut schummeln.

Ein zweiter Anlauf

Nun wagte ich allerdings einen erneuten Anlauf mit dem Psychologie Studium. Und ich wollte es wissen. Mittlerweile weiß ich, dass es Lerntechniken gibt und das ich diese nur nicht kannte und sie mir keiner beibrachte. Als Autodidaktin eignete ich sie mir nun im fortgeschrittenem Alter an, wobei ich hauptsächlich lernen musste, dass kein Mensch erwartet, dass ich einen Text auswendig wiedergeben kann, wenn ich ihn lediglich gelesen habe. Als ich das verstand und mir dazu noch ein paar Strategien aneignete, wurde das Lernen zu einem Paradies. Endlich.

Die Angst alles interessant und spannend zu finden, aber es in der Klausur doch nicht zu können, ließ immer mehr nach. Es wuchs das Gefühl sich einen Text, den Inhalt, Zahlen und Fakten anzueignen. Es eins zu eins wieder geben zu können. Und beim Absolvieren von Alt-Klausuren konnte ich sogar schon testen, dass ich auf einem guten Weg bin.

Unbegrenzte Wissensaufnahme

Was bleibt ist die Freude, das Vergnügen und der Spaß am Lernen und es wächst mit jeder weiteren Minuten, in der ich lerne. Das Gefühl, dass es keine Begrenzung mehr gibt, sondern nur die richtigen Lerntechniken, Lernschritte und Lernziele, lassen mich von Tag zu Tag wachsen. Das Gefühl, dass es kein Ende gibt, außer, dass ich keine Lust mehr hätte oder sterbe, lässt mich geradezu schweben vor Glück.

Mein Weg

Auch wenn es in meinem Alter schwer wird noch als Wissenschaftlerin zu arbeiten, entschädigt dieses Gefühl für so manche Pein und Demütigung während der Schul- und Studienzeit. Mein Ziel ändere ich für mich ab und werde sehen, was ich mit meinem Wissen machen kann, wenn ich fertig bin. Und ich weiß, ich werde etwas finden, was zu mir passt und mich glücklich macht.

Ich würde mich freuen, wenn es noch weitere gibt, die ähnliches erleben durften.

Eure,

Manon García

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