Feb 212013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Altersweisheit

Im Grunde genommen wachsen wir alle mit der Information auf, dass jeder Mensch im Alter nicht nur alt, sondern auch weise wird. Als Kind stellt man sich dann den grauhaarigen weisen Menschen vor, der in seinem Schaukelstuhl (Rollstuhl) sitzt. Zu nichts mehr zu gebrauchen, aber weise. Da als Kind alles interessiert, aber nicht die Weisheit eines Menschen, der kein Fußball oder mit Puppen spielt, wird diese Information lediglich gehört. Als Jugendlicher, besonders während der Pubertät, interessiert diese Tatsache auch eher peripher. Als junger Erwachsener sickert bei all seinen Problemen langsam ins Hirn, dass es da was gäbe, so eine Weisheit, die mit dem Alter irgendwann kommt. Aber dann – zack – ab Mitte Vierzig ist es dann soweit. Es fallen die ersten Punkte auf, die man in seinem Alter entspannter angeht. Beispielsweise ist die Außendarstellung als junger Erwachsener oftmals wichtiger, als im fortgeschrittenen Alter, wenn die Kleidung nach Vernunftgründen oder wegen der Bequemlichkeit gekauft wird. Oder der Zwang einer Mode zu folgen ist auch in die Jahre gekommen, wie man selbst. Da weiß man endlich, dass man nun auch zu den weisen (alten) Menschen gehört. Die Frage stellt sich, wieso diese Weisheit nicht greifbar ist, wenn es drauf ankommt?!

Warum erst im Alter?

Wie unnütz ist denn eine Weisheit, die im Alter keiner mehr hören möchte, weil man mittlerweile zum alten Eisen gehört? Und wer mit der Zeit der Jugend nicht mitgehen kann, der wird nicht um Rat gefragt. Schauen Sie sich heute die Generation Oma und Opa an. Wie viele von denen wissen wie es ist, als Kind mit einem Nintendo aufzuwachsen? Die Kids von heute können eher twittern und simsen, als sprechen. Die Kids sammeln ihre Freunde virtuell und kommunizieren mit Daumensymbolen. Nein, das Wissen überholt sich mittlerweile zu schnell, sodass die Großelten eher selten einen Rat geben können. Wozu dann die Weisheit im Alter? Denn was soll eine Oma denn zum Enkel sagen, wenn dieser mit Cybermobbing anfängt? Nein, wichtig wäre es, wenn diese Weisheit bereits in dem Alter vorhanden ist, wenn sie gebraucht wird.

Wie entsteht eigentlich die Altersweisheit?

Na, das ist einfach zu beantworten. In der Kindheit wird durch die Erziehung und Sozialisation ein Mensch in die Richtung manipuliert, wie es sein Umfeld gerne hätte. Einem kleinen Menschen wird von Anfang an gesagt, wie es sein muss, damit es von Papa und Mama geliebt wird. Es erfährt schmerzlich, wie es ist, wenn es sich nicht dran hält, denn der Liebesentzug folgt umgehend. Das geht im Kindergarten und der Schule weiter. Selbst in den ersten Jahren des Erwachsenenalters ist es so, dass den eingetrichterten Mustern und Prägungen gefolgt wird. Irgendwann – so ab Mitte Vierzig – kommt man aus dem Fokus heraus. Es interessiert das Umfeld nicht mehr sonderlich, ob man nun den Erwartungen entspricht oder nicht. Meist hat man schon eine Familie oder „Erfolge“ erarbeitet. Sei es beim Sport oder im Beruf. Der Blick des Umfeldes ist entweder müde geworden, weil alt, oder auf die jüngere Genereation gerichtet. Da lohnt sich die Manipulation. Immerhin richtet man sich an junge Menschen, die von ihrem Umfeld abhängig sind. Da ist es einfacher zu wirken.

Also kann mit Mitte Vierzig (oder mit Mitte Fünfzig oder Mitte Sechzig oder …) endlich mal geschaut werden, was aus einem geworden ist, wenn sich immer an den Erwartungen anderer orientiert wurde. Im Grunde genommen hat man sich immer nach seinem Umfeld gebogen und gewendet und sich dabei die eine oder andere Verrenkung geholt. Aber erst jetzt ist das Fass am Überlaufen, sodass mit dem Mut der Verzweiflung mit dem Widerstand begonnen werden kann. Erstaunlicherweise kommt nicht der erwartete Entrüstungsschwall. Und wenn dieser doch kam, aber selbstbewusst abgeschmettert wird, verstummen die Stimmen schneller als sie aus dem Gehörgang entweichen können. Lunte wird gerochen, die Erfahrungen werden hinterfragt und nicht selten wird festgestellt, dass das meiste unnütz und umsonst war. Leider selten kostenlos, denn bei so mancher Erfahrung musste viel Lehrgeld gezahlt werden. Altersweisheit, nun ist sie erlangt und die Frage ist, was daran so besonders ist. Denn im Grunde genommen weiß jeder Mensch von Anfang an, was er will und was für ihn richtig ist. Nur leider gibt es zuviele Menschen im Umfeld, die darauf nicht hören und meinen alles besser zu wissen. So kommt es, dass das Freistrampeln erst beginnen kann, wenn auf den eigenen Füßen gestanden wird. Sprich ab Mitte Zwanzig. Nun müssen die eingepflanzten Glaubensätze erstmal aufgespürt und aufgebrochen werden. Das dauert meist ein paar Jahrzehnte, weshalb die vorhandene und angeborene Weisheit erst ab einem Alter von ca. Mitte Vierzig endlich wieder freigelegt wird.

Fazit zur überholten Altersweisheit

Ein Leben lebt sich leichter und entspannter, wenn die Weisheit beteiligt ist. Nur, solange diese durch das Umfeld, die Erziehung, später durch Prägungen und Glaubenssätze, weg manipuliert wird, ist an einem authentischen und glücklichen Leben nicht zu denken. Die weisen alten Menschen ruhen in sich, weil sie auf sich hören und nicht mehr Erwartungen hinterher hecheln. Wie schön wäre das Leben, könnte auf diese Ruhe bereits als Kind zurückgegriffen werden. Wenn einem jungen Menschen vermittelt wird, dass er okay ist, wie er ist. Dass es egal ist, was er tut, Hauptsache es glaubt an sich. Dass er als Mensch wunderbar ist, egal, was er leistet. Ein Mensch, der an sich glaubt, der wird weise Entscheidungen treffen. Natürlich kann sich auch ein weiser Mensch mal irren, aber das erkennt dieser und lernt aus seinen Erfahrungen. Diese Ruhe wünschte ich allen, aber dafür müssten Menschen aufhören zu denken, sie wären die einzigen, die wüssten, wie das Leben funktioniert und es anderen aufzwingen. Wir würden bereits in der Kindheit mit dem Reflektieren beginnen und so uns selbst bei allem begleiten. Uns stünde ein Leben in Weisheit zur Verfügung, die durch zusätzliche Erfahrungen erweitert wird. Und es müsste nicht auf das Alter gewartet werden, um endlich das tun zu dürfen, was man einem ein Leben lang verboten oder untersagt wurde.

In diesem Sinne, wünsche ich allen ein Leben in Weisheit,

eure Manon García

 

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