Nov 122013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Respekt und Wertschätzung

Der Ruf nach Respekt im Sinne von Wertschätzung und Anerkennung wird immer lauter. Wertschätzung ist eine positive Bewertung einer anderen Person. Sie sollte wohlwollend sein und sich auf die ganze Person beziehen. Und obwohl Leistungen die Wertschätzung beeinflussen ist der Wunsch nach Respekt ohne Berücksichtigung von Leistungen groß. Geliebt werden, so wie man ist. Angenommen, weil man ist, wie man ist.

Respekt! Du bist anders

Ist das in der heutigen Gesellschaft noch möglich? Anderen Menschen respektvoll zu begegnen? Sie zu mögen, weil sie sind, wie sie sind? Und nicht als erstes nach Leistungen und Status zu fragen? Oder jemanden nicht abzulehnen, wenn er anders ist, sondern ihn zu nehmen, wie er oder sie ist? Respektieren, auch wenn nicht jede Handlung oder jedes Verhalten verstanden wird? Wie schön wäre es, wenn nicht sofort abgelehnt wird, was anders und fremd ist.

Heterogenität

Es ist erforscht, dass heterogene Gruppen erfolgreicher und effektiver arbeiten. Allerdings ist die Voraussetzung, dass sich respektvoll begegnet wird. Wenn der Respekt auf beiden Seiten vorhanden ist, kann jeder seine Meinung, sein Erleben einbringen und so die Gruppe voranbringen. Allerdings gibt es einen enormen Leistungsabfall, wenn der gegenseitige Respekt nicht vorhanden ist und keine Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet.

Hochbegabte, Hochsensible, …

Viel zu oft gibt es die Situation, dass eine andere Person nicht verstanden wird, und das schon reicht, um diese zu meiden und im schlimmsten Fall zu verachten. Schnell kommt es zu gruppendynamischen Prozessen, ist doch das Anderssein eine vermeintliche Bedrohung, der nur begegnet werden kann, wenn die Gruppe im Rücken groß genug ist. Dadurch zerfleischen/streiten sich Menschen, die sich gegenseitig so viel geben könnten. Es ist schade, um das brachliegende Potenzial, welches entstehen könnte, würde ein respektvoller Umgang gelebt. Es geht nicht nur um die Einzelnen, sondern um Familien, Firmen, Klassen, Vereinen, Abteilungen usw.

Menschen, die anders sind

Menschen, die nicht sofort (oder gar nicht) verstanden werden, wünschen sich oftmals nichts anderes, als respektiert zu werden. Sie wollen so sein dürfen, wie sie sind. Wollen nicht durch gesellschaftliche Normen oder Gruppenzwang zur Anpassung gezwungen werden. Oftmals reicht ein Anpassen nicht und es geht darum, sich zu verbiegen oder gar zu verleugnen, möchte man anerkannt sein. Die Frage ist berechtigt, warum Menschen, Menschen, die anders sind, nicht einfach anerkennen und respektieren, sie positiv bewerten, obwohl oder weil sie anders sind. Es wäre für alle Beteiligte von Vorteil.

Respekt auf Gegenseitigkeit

Aber … können Menschen, die anders sind, und die sich nach Respekt sehnen, diesen eingeforderten Respekt auch anderen entgegen bringen? Vielleicht sogar denen, von denen sie den Respekt wünschen? Ich höre oft, dass andersseiende Menschen Respekt wünschen, endlich mal so anerkannt zu werden, wie sie sind. Allerdings höre ich auch oft, dass sich genau diese Menschen darüber aufregen, dass die anderen so sind, wie sie sind oder Dinge tun, die unlogisch oder umständlich sind. Aber Respekt funktioniert nicht nur in eine Richtung. Respekt ist ein gegenseitiges Konstrukt. Wenn ich Respekt fordere, sollte ich diesen auch anderen gegenüber zeigen. Gerade, wenn ich die anderen nicht verstehe. Denn das ist es ja, was auch ich wünsche. Anders sein zu dürfen und dabei von meinen Mitmenschen respektvoll behandelt zu werden.

Lächeln statt Ärgern

Sollten Sie jetzt nicht wissen, ob Sie zu diesen Menschen gehören, die zwar Respekt wünschen, aber unter Umständen dabei sehr zurückhaltend reagieren, wenn es darum geht, diesen an andere zu verteilen, dann versuchen Sie beim nächsten Mal, wenn Sie sich über jemanden ärgern, zu lächeln. Lächeln Sie und denken Sie daran, dass auch Sie anders in den Augen Ihres Gegenübers sind. Der Spalt, der sich zwischen Ihnen und anderen manchmal auftut, ist von beiden Seiten gleich weit. Wer sich also Respekt wünscht, sollte diesen auch anderen gegenüber zeigen. Und wenn Ihnen jemand auffällt, der Ihnen keinen Respekt entgegen bringt, und Sie mit dem Finger auf diese Person zeigen, dann denken Sie dran, dass drei Finger in Ihre Richtung zeigen.

In diesem Sinne wünsche ich eine respektvolle Zeit,

eure

Manon García

Feb 142013
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Ein scheinbar gebrochener Stock im Wasser

Wer schon mal einen Stock ins Wasser hielt, weiß, dass sich ein gerader, fester Stock im Wasser so darstellt, als wäre er gebrochen. Holt man diesen wieder heraus sieht man, dass der Stock immer noch gerade ist und das Wasser dem Stock nichts anhaben konnte. Dieses Phänomen sehe ich auch in der Gesellschaft. Es gibt Menschen, die wirken auf andere wie ein gebrochener Stock im Wasser. Sie selbst finden sich gerade und fest. Oder es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall, dass sich Menschen krumm und gebrochen fühlen und von anderen als stark und selbstbewusst wahrgenommen werden. Diese unterschiedliche Wahrnehmung ist oftmals Grund für Konflikte und Differenzen.

Am Beispiel von Hochbegabung verdeutliche ich dieses Phänomen. Hochbegabte werden von Personen oftmals anders gesehen, als sich diese Menschen selber sehen. Und es treten auch immer beide Fälle auf. Natürlich gibt es weitere Gruppen, Minderheiten, Personen und Erlebnisse, die auf dieses Phänomen zutreffen. Verständlicherweise beziehe ich mich hier in diesem Blog auf die Hochbegabung, aber jeder darf es auf sich und seine Situation übertragen und anwenden. Und eine weitere Einschränkung möchte ich gleich noch hinterher schieben. Natürlich bezieht sich das nicht auf alle Hochbegabte!

Hochbegabte fühlen sich wie ein krummer Stock

Als erstes schauen wir uns an, wie es ist, wenn sich ein Hochbegabter wie ein gebrochener Stock im Wasser fühlt, aber von keinem als ein solcher wahrgenommen wird. Es gibt verschiedene Gründe warum ein hochbegabter Mensch an sich zweifeln kann. Einer ist, wie im letzten Beitrag „gefühlte Underachiever sind die neuen Achiever“ geschrieben, dass man Höchstleistungen erbringt, aber trotzdem kritisiert und abgelehnt wird. Nun ist Kritik nicht per se verkehrt, es kann sogar zu Höchstleistungen anspornen, aber dafür müsste die Aufgabe auch eine Herausforderung darstellen. Aber bei der Aufgabe, sich als Hochbegabter der Norm anzupassen, wäre jeder Mensch überfordert. Dieser hochbegabte Mensch, der also denkt, er müsste sich anpassen, kann nur scheitern. Er scheitert also, obwohl er sich die allergrößte Mühe gibt und alle Energien, die er besitzt in diese Aufgabe steckt. Und ich gehe nun von so einem erwachsenen Hochbegabten aus.

Dieser Erwachsene fühlt sich gebrochen. Er tut alles, aber er scheitert permanent. Egal, was er oder sie auch tut, er kommt nicht zum Ziel. Dabei fühlt er sich leer und ausgelaugt. Innen drin, gibt es ein Gefühl, das ganz viel möglich wäre, dass etwas nicht stimmt, das der eingeschlagene Weg der verkehrte ist, aber dieses Gefühlt ist oftmals nicht greifbar und bleibt ein subtiles Gefühl. Diese innere Zerrissenheit wird vielleicht durch enormen Eifer und Tatendrang kompensiert, weshalb sich diese Menschen falsch, schlecht, dumm, nicht passend, ungenügend, am falschen Platz oder einfach wie ein krummen Stock fühlen. Von außen wird jedoch die Energie, die Stärke, der unbändige Wille, die enorme Konzentration, der Hang zum Perfektionismus usw. gesehen und kaum einer würde auf die Idee kommen, dass sich diese Person anders fühlen könnte. Setzt also dieser unzufriedene Erwachsene an, um Hilfe oder Mitgefühl zu bitten, erhält er nicht selten ein spöttisches Gelächter. Die eingeforderte Hilfe wird als Scherz abgetan! Besonders, wenn diese Person neidisch ist auf – aus seiner Sicht – positiven Eigenschaften des Hochbegabten (egal, ob erkannt oder unerkannt) und sich nicht vorstellen kann, dass hinter dieser Stärke eine Unsicherheit steckt.

Diese Diskrepanz von Selbst- und Fremdwahrnehmung verstärkt das Gefühl des nicht-verstanden-werdens und die damit einhergehende Unsicherheit. Die fehlende Selbstsicherheit wird durch solche eine Reaktion ebenfalls nicht gestärkt. Und sich selbst kann man nicht von außen betrachten, was die Reaktion des Gegenübers erklären würde.

Hochbegabte fühlen sich stark und selbstsicher

Es gibt auch den umkehrten Fall, dass man sich stark und selbstsicher fühlt, glaubt das Leben im Griff zu haben und sich freut auf dem richtigen Weg zu sein. Kommen dann Kommentare, die einen als krummen Stock wahrnehmen oder unterstellen das Verhalten wäre aufgesetzt oder gespielt, wird die Welt nicht mehr verstanden. Genauso verhält es sich, wenn man sich seiner selbst bewusst ist, man sich selbst vertraut und wertschätzt, sich aber Kommentare und Aussagen anhören muss, dass man arrogant und angeberisch wäre. In allen Fällen wird die Welt nicht mehr verstanden. Und das Sahnehäubchen wird einem dann noch aufgesetzt, wenn Hilfsangebote geäußert werden, die einem helfen sollen, aus dem gebrochenen Stock wieder einen geraden zu machen.

Bei allen Überlegungen über die Reaktion des Gegenüber fehlt der Ansatz. Es gibt keine Erklärung, warum nun genau diese Reaktion kam, man ist sich keiner „Schuld“ bewusst. Die Frage, warum man gesehen wird, wie man gesehen wird, ist unmöglich zu beantworten. Denn dafür müsste man in die betreffende Person hineinschauen können, müsste wissen, welche Erfahrungen gemacht, wie sich die Person fühlt oder welche Baustellen / Verletzungen vorhanden sind.

Kompliziert wird es, wenn die Selbstsicherheit durch die Reaktion von einem selbst in frage gestellt wird, wenn angefangen wird zu zweifeln. Oder wenn diese Selbstsicherheit gerade erst erarbeitet wurde, diese dann nicht sofort wieder einstürzen zu lassen, weil Gegenwind in Form von Unverständnis oder Fehleinschätzung geäußert wurden. Wichtig ist es, dass man sich ein Umfeld schafft, bei dem die einsturzgefährdende Selbstsicherheit gestärkt wird, sodass sie wieder komplett hergestellt werden kann. Dieses Umfeld, besteht es auch nur aus einer Person, ist wichtig, um auf solche Aussagen zu reagieren. Denn es ist ja keine Ausnahme, die einmal in einem Jahrzehnt vorkommt, sondern es ist eher an der Tagesordnung, dass solche Äußerungen getätigt werden.

Fremdwahrnehmung ist und bleibt eine Fremdwahrnehmung

In beiden Fällen ist es wichtig, dass eine Fremdwahrnehmung immer nur eine Fremdwahrnehmung bleibt. Keiner kann in einen hinein schauen. Und jeder Fremdwahrnehmung liegen die persönlichen Empfindungen, Erlebnisse, Erfahrungen, Verletzungen, Gefühle des Fremdwahrnehmenden zugrunde. Es ist immer subjektiv und wird von jeder anderen Personen entsprechend anders wahrgenommen. Und eine Fremdwahrnehmung wird nicht wahrer, nur weil sie von mehreren ausgesprochen wird. Eine Fremdwahrnehmung ist deshalb nicht falsch, sondern für die wahrnehmende Person richtig. Aber eben nur für diese Person. Diese Erkenntnis kann helfen die Unterschiede, die Diskrepanz oder gar den Konflikt zu verstehen. Auf keinen Fall sollte es dazu führen, dass die Selbstwahrnehmung aufgrund der Fremdwahrnehmung fallen gelassen oder ersetzt wird.

Was lernen Hochbegabte daraus?

Wer sich selbst in frage stellt und dafür keinen findet, der dieses ähnlich oder ebenso sieht, sollte sich fragen, ob die Stärke nicht vielleicht doch vorhanden und nur nicht deutlich genug sichtbar ist. Es kann überlegt werden, ob der Blick auf einen Selbst verändert werden sollte und wenn ja, in welche Richtung. Denn eine Fremdwahrnehmung kann einem eine Richtung vorgeben. Es könnte versucht werden die Diskrepanz zu verringern, indem man bei sich mehr auf die vorhanden Stärken schaut und weniger auf das, was nicht geht. Und wer sich wie in einem Hamsterrad fühlt, der könnte aus diesem heraustreten. Sein eigenes Ziel verfolgen und bei Zweifeln sich der positiven Fremdwahrnehmung annehmen.

Wer auf sich stolz ist und ins Zweifeln gerät, weil die Fremdwahrnehmung anderer Personen so gar nicht mit der Selbstwahrnehmung übereinstimmen, sollte sich nicht kirre machen lassen. Wer sich, sein Denken und sein Verhalten regelmäßig hinterfragt und reflektiert, der sollte stolz sein und dieses auch bleiben. Denn bei einer regelmäßigen Überprüfung des Selbst, kann keiner nicht falsch liegen. Anhören kann und darf sich jeder die Fremdwahrnehmungen, aber es sollte nicht zu viel Energie ins Verstehen der anderen Meinung investiert werden. Denn es braucht genügend Energien, um denen eigenen Weg konsequent zu verfolgen, besonders dann, wenn man glaubt auf dem richtigen Weg zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich allen die richtige Entscheidung für sich selbst!

 

p. s.

Neu, neu, neu, sind die Spendenmöglichkeiten mit flattr und paypal. Bei beiden Möglichkeiten muss man auf der Plattform angemeldet sein. Und denkt bitte daran, Weihnachten ist bald und mit euren Spenden würde ich mir gern ein schönes Weihnachtsgeschenk machen. Ich sage extra nicht, was ich mir schenken möchte, nicht, dass ich euch ausversehen in eurer Spendierfreudigkeit hemme. Nein, nein. Ich werde nun minütlich auf meine jeweiligen Konten schauen und ausrechnen, wie viel Prozent von euch bereits eingezahlt wurden. 🙂




Sep 202012
 

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Viele Hochbegabte beschäftigt das Thema, ob sie in der Öffentlichkeit über ihre Hochbegabung sprechen sollen. Sie fragen sich, zu welchen Anlässen, in welchem Zusammenhang, mit wie viel Informationen, sie es anbringen könnten. Im Rahmen der Veranstaltung „Tag der Intelligenz 2012 in Köln“ findet dieser Workshop im Anschluss an die Vorträge statt. Initiator dieses Workshops ist Mensa Deutschland.

Angst vorm Outing und deren Folgen

Die Unsicherheit, die Angst vor Ausgrenzung, Sanktionen, Diffamierung oder Mobbing sind groß. Was gibt es zu verlieren? Aber was auch zu gewinnen?

Ziel des Workshops

Das Ziel ist, dass jeder Teilnehmer bewusst und mit Einsicht für sich selbst eine Entscheidung trifft. Tipps und Tricks werden besprochen. Hierbei bilden die Beiträge der TeilnehmerInnen die Grundlage.

Anmeldung

Die Plätze sind begrenzt. Eine verbindliche Anmeldung erforderlich. Sollten keine Plätze mehr frei sein, kann man sich per Email auf die Warteliste setzen lassen.

Der Workshop ist bereits ausgebucht!

Veranstaltungsort

Universität zu Köln

Albertus-Magnus-Platz

50923 Köln

 

 

Jun 262012
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Hochbegabung? Höchstleistungen?

Natürlich müssten erstmal Definitionen geschrieben werden, damit diese Frage detailliert beantwortet werden können. Aber im Grunde genommen soll diese Umfrage eine Umfrage der Gesellschaft werden und keine von Experten. Denn es gibt Forschungen, die sich mit diesem Thema befassten und ihre Schlüsse daraus zogen. Hier möchte ich herausfinden, wie der gesellschaftliche Tenor ist.

Manche können diese Frage nicht beantworten, wenn sie die Definitionen nicht exakt kennen. Aber es geht mir nicht um Definitionen wie sie die Wissenschaft festlegt. Im Grunde genommen hat doch ein jeder eine Meinung, wann jemand hochbegabt ist und auch, ob jemand Höchstleistungen erbringt. Und das ist hier gefragt.

Die Umfrage habe ich bei facebook gestartet und werde gleich den Link einfügen, da ich nicht weiß, wie ich hier eine Umfrage ähnlich einfach einfügen könnte.

Also der Link zur Seite „Hochbegabung bei Erwachsenen“ bei facebook, auf der die Umfrage gleich ganz oben erscheint.

Es würde mich freuen, wenn so viele wie möglich mitmachen. Diese und weitere Informationen möchte ich bei einem Vortrag verwenden, den ich im September 2012 beim Tag der Intelligenz in Köln vortragen möchte. Zu der Veranstaltung demnächst weitere Informationen, weil es ein sehr wichtiges Thema anspricht und in Zusammenarbeit mit der Uni Köln erfolgt.

Jan 162012
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Hochbegabung und / oder Hochsensibel

Gehört zur Hochbegabung die Eigenschaft der Hochsensibilität dazu oder sind es zwei verschiedene Eigenschaften, die unabhängig voneinander sind?

Andrea Brackmann schreibt in ihrem Buch „hochbegabt und hochsensibel“, dass diese beiden Eigenschaften zusammengehören. Allerdings kennt jeder von uns hochbegabte Menschen, denen man das Label hochsensibel nicht unbedingt anheften möchte. Hinzu kommt, dass in der Literatur von 20% Hochsensiblen gesprochen wird. Bei den Hochbegabten kommt man auch bei gutem Willen nur auf 2.38% (dank Gauß’scher Glockenkurve). Das alleine passt schon nicht zusammen. Die nächste Frage ist, wie viele hochbegabte Menschen denn nun zu den hochsensiblen Menschen gezählt werden. Oder ist der Anteil der Hochsensiblen bei den Hochbegabten auch bei 20%?

Fehlende Forschungen und Ergebnisse

Die Wissenschaft nähert sich seit ein paar Jahrzehnten dem Thema Hochbegabung. Hochsensibilität ist dagegen noch gänzlich unerforscht. Entsprechend liegen kaum / keine Ergebnisse vor. Das Wissen darüber befindet sich in den Kinderschuhen.

Deshalb ist alles, was ich hier aufschreibe, meine persönliche Meinung, die ich nicht wissenschaftlich untermauern kann. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

„versteckte“ oder „unterdrückte“ Hochsensibilität

Aus eigener Erfahrung und aus vielen Gesprächen mit Betroffenen kann ich sagen, dass sich eine Hochsensibilität „verstecken“ kann oder anders: Hochsensibilität kann unterdrückt werden.

Es ist genauso wie bei der Hochbegabung. Auch diese muss gelebt werden. Der Umgang mit ihr, das Leben mit ihr, das Verständnis, alles muss erlernt werden. Hier hilft es natürlich, wenn im näheren Umfeld Erfahrungen mit diesem Thema vorliegen. Hochbegabung wird vorgelebt und Kinder schauen – wie bei allen anderen Themen – auf die Bezugspersonen. Wird eine Hochbegabung nicht gefördert und gefordert, wird ein hochbegabter Mensch unter Umständen nicht entdeckt, was dazu führen kann, dass dieser Mensch mit seiner Andersartigkeit täglich aneckt, sich zurückzieht oder sich selbst gar verleumdet.

Ich wusste von meiner Hochbegabung nichts bis zum Testergebnis. Im Gegenteil, ich ging davon aus, dass ich eher nicht hochbegabt bin. Zuviele Dinge konnte ich nicht, leichte Tätigkeiten verursachten mir im Vergleich mit anderen Schwierigkeiten und meine „Fähigkeiten“ konnte keiner Einordnung, wurde es doch nicht verstanden. Die Hochbegabung kam also aus dem Nichts zu mir und ließ sich nicht mehr abschütteln.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Hochbegabung, konnte ich mir vieles erklären, viele Fragen konnte ich beantworten, aber es kamen immer mehr Fragen hinzu. Besonders im Bereich der Wahrnehmen und des Fühlens. Im Bereich des Denkens fand ich Antworten und das Konstrukt wurde für mich schlüssig. Aber die Bereiche Wahrnehmen und Fühlen blieben mir ein Rätsel, welches ich nicht mit der Hochbegabung erklären konnte.

  • Woher kam die Fähigkeit Dinge zu spüren, die sonst keiner spürte?
  • Wieso konnte ich Gefühle von anderen Menschen spüren, aber nicht die eigenen?
  • Wie konnte es sein, dass ich meine Gefühle zusammen mit der Hochbegabung wegsperren konnte?
  • Woher kamen plötzlich Wahrnehmungen, die ich nicht kannte?

Hochsensibilität entwickelte sich

Mit der Erkenntnis, dass ich hochbegabt sei, fing ein neuer Lebensabschnitt an. Wie im Buch beschrieben fing eine Phase an, in der alles auf den Prüfstand kam. Alles wurde hinterfragt und ich versuchte herauszufinden, wer ich denn nun sei. Die Frage „Wer bin ich?“ sollte mich die ganzen Jahre begleiten und ich behaupte, dass ich es immer noch nicht endgültig sagen kann. Ich weiß mehr über mich, ich habe mich ein Stück weit kennengelernt, aber ich weiß immer noch nicht zu 100%, wer ich bin.

Auf dem Weg zu mir selbst, entdecke ich täglich neues an mir. Neue Gefühle, Emotionen, Wahrnehmungen, Interessen und Talente. Natürlich lerne ich auch immer mehr Schattenseiten, Ängste, Schmerzen, Verletzungen, Zweifel und Sorgen kennen. Das gehört zu einem Leben dazu. Dieser Mix macht ein Leben ja erst lebenswert.

Gefühl versus rationalem Denken

Der Weg beinhaltet auch, dass sich eine nicht gekannte Hochsensibilität äußerte. Im Grunde war ich früher immer stolz, dass ich rational mit Problemen umgehen konnte. War ich doch immer im Vorteil gegenüber anderen, die erst durch ein Tal der Gefühle gingen. Wenn andere sich aufmachten den Berg zu erklimmen, wartete ich bereits auf der Spitze und konnte neuen Taten entgegensehen. Probleme sachlich und rational, sprich ohne Gefühle oder  Gefühlsduseleien anzugehen, verschafft einen Vorsprung. Diesen hatte ich in der Vergangenheit für mich zu nutzen gelernt.

Auf der anderen Seite war es aber auch unvermeidlich, dass der rationale Kopf die Führung übernahm. Ich hatte niemals gelernt mit meinen Gefühlen oder meinen Emotionen umzugehen, sie zu benennen oder sie auszuhalten. Aus diesem Grunde wurden diese unterdrückt und stattdessen das rationale Denken forciert. Es gibt genügend Motivationstechniken, die jeden Menschen in bestimmten Situationen helfen. Diese zu 100% angewandt ergibt ein Leben ohne Gefühle, ohne Emotionen, sondern mit Zielen, Strukturen und Konstruktionen. Dazu gehört das Sich-ablenken, wenn die Ruhe nicht ausgehalten wird. Für einen Menschen, der an fast allem interessiert ist, den vieles fesselt, der gerne denkt und gerne knobelt, die einfachste Sache der Welt. Schwierig wird es, wenn dieses wieder rückgängig gemacht werden soll.

Gefühle zulassen, wahrnehmen und benennen

Auf meinem Weg stand ich vor der Herausforderung meine Gefühle wieder zuzulassen, diese wahrzunehmen, um sie benennen zu können. Je mehr ich diese zulassen konnte, je mehr ich mich mit ihnen auseinandersetzte, umso mutiger wurde weitere Gefühle, die sich äußerten.

Das Arbeiten an mir deckte langsam, aber sicher, die Hochsensibilität auf. Was anfangs nicht ausschließlich zu meiner Freude geschah. Denn nun musste ich lernen mit meinen Gefühlen umzugehen und zusätzlich, dass ich nicht so abgehärtet war, wie ich dachte. Denn die Sinne liefen mittlerweile auf Hochtouren und vermittelten mir immer Neues, was es galt einzuordnen.

Hochbegabt und hochsensibel

Hätte ich vor ein paar Jahren noch gesagt, dass ich nicht empfindlich oder sensibel sei, muss ich das heute revidieren. Früher galt für mich NICHT hochbegabt und NICHT hochsensibel und das änderte sich nun zu hochbegabt und hochsensibel.

Da ich bei mir und auch in Gesprächen mit vielen anderen Menschen dieses Phänomen feststellen konnte, sehe ich alle Menschen, die mir im ersten Moment unsensibel oder grob erscheinen in einem ganz anderen Licht. Wer weiß, ob dieser Mensch nicht auch einfach mit seinen Gefühlen und Wahrnehmungen nicht klarkommt und diese deshalb unterdrückt. Denn wer bestimmte Eigenschaften an sich unterdrückt, der entwickelt eine Abneigung gegen diese Dinge und gibt sich oftmals sehr aggressiv.

Nicht umsonst heißt es, dass ein Mensch nur dann sehr emotional reagiert, wenn es eine Schattenseite von diesem Menschen ist. Das bedeutet, dass der Mensch unerwünschte Eigenschaften besitzt, die er unterdrückt oder abspaltet. Also als Schutz vor sich selbst, werden andere Menschen (verbal) attackiert.

Fazit

Es gibt mehr hochsensible als hochbegabte Menschen, aber ich denke, dass viele Hochbegabte auch hochsensibel sind, auch wenn man es nicht immer erkennen kann. Gerade Menschen, die anders sind und sich anpassen oder funktionieren, um dazuzugehören, unterdrücken oder spalten gewisse Eigenschaften ab, sodass das äußere Erscheinungsbild täuschen kann.

 

Ich wünsche jedem, dass der eigene Weg gefunden wird.

Eure,

Manon García

 

Dez 262011
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Hochbegabung vorleben

Setzen sich Erwachsene mit ihrer eigenen Hochbegabung auseinander, kann die Entwicklung eines Kindes begleitet und unterstützt werden. Erwachsene verschweigen, verheimlichen oder wünschen sich Hochbegabung oft weg. In der Öffentlichkeit wird das Thema dagegen verstärkt thematisiert. Das kommt den Kindern und Jugendlichen von heute zugute. Ältere Hochbegabte dagegen lernten selten den Umgang mit der eigenen Hochbegabung, sollen aber als Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen etc. Kindern vorleben, wie ein Leben mit Hochbegabung gelingen kann.

Hochbegabte Kinder brauchen für ihre Entwicklung ein Umfeld, in dem die Hochbegabung gelebt werden kann. Viele Eltern, die wie ihre Kinder hochbegabt sind, wissen zum Teil bis heute nicht, um ihr eigene Hochbegabung. Wie können Sie Vorbilder sein?

Den Umgang mit der Hochbegabung übernehmen dann oft die Kindern. Deshalb ist es wichtig, dass sich Eltern mit ihrer eigenen Hochbegabung auseinandersetzen. Wer seine Entwicklung unter der Sichtweise der Hochbegabung betrachtet und analysiert, geht entspannter mit den Schwierigkeiten um. Wer Hochbegabung als Geschenk und Gabe sieht, kann diese leben.

Erwachsene Hochbegabte erfahren durch ihre Kinder von der eigenen Hochbegabung

Viele Eltern erfahren erst von diesem Thema, wenn ihre Kinder getestet wurden. Parallelen zur eigenen Kindheit, erlittene Schwierigkeiten und Probleme treten in den Vordergrund. Instinktiv werden diese vom Nachwuchs ferngehalten. Die Belange des Nachwuchses werden priorisiert und die eigene Hochbegabung ignoriert. Manche absolvieren einen Test, aber hinterfragen nicht, was es bedeutet, hochbegabt zu sein.

Eigene erlittene Verletzungen beeinflussen Gespräche

Eltern hochbegabter Kinder geraten häufig in Diskussionen zu diesem Thema, sei es in der Familie, im Kindergarten, in der Schule oder im Bekanntenkreis. Wer seine eigene Geschichte nicht versteht, kann sich nicht objektiv mit Erziehern, Lehrern, anderen Eltern, Bekannten und Entscheidungsträgern unterhalten. Oftmals spielt ein unbewusster Groll eine Rolle bei den aktuellen Diskussionen. Erlittene Verletzungen und Demütigungen in Bezug auf die auch selbst empfundene Andersartigkeit können dazu führen, dass aktuellen Diskussionen nicht sachlich bleiben.

Das eigene Verständnis für die Begabung hilft bei der Erziehung, bei der Kommunikation, beim Austausch, aber auch bei der Umsetzung geeigneter Lernstrategien für Kinder. Gemeinsam werden diese individuell angepasst, wenn bekannt ist, wie ein Gehirn im Allgemeinen und das hochbegabte Gehirn im Besonderen funktioniert.

Wer sich kennt und liebt ist ein gutes Vorbild

Ereignisse beeinflussen die Entwicklung. Wer diese und ihre Folgen kennt, kann auftretende Problematiken im Umgang mit Kindern auffangen. Aber es geht nicht nur um äußerliche Einflüsse, sondern auch um das Verstehen des eigenen Körpers. Die eigene Körpersprache wird bei Nichtverstehen gerne ignoriert und gerade bei intelligenten Menschen durch das rationale Denken ersetzt. Das funktioniert sehr gut, kann aber zu Folgeerscheinungen führen. Diese gilt es zu vermeiden.

Spät erkannte Hochbegabte erfahren den zweiten Frühling

Aber natürlich steht auch der Erwachsene selber im Fokus. Die Erkennung der eigenen Begabung kann Kräfte freisetzen und wie ein Brustlöser wirken. Nicht wenige, die spät von ihrer eigenen Hochbegabung erfahren, erfüllen sich nach der Erkennung alte Träume, verwirklichen sich selbst, finden eine innere Zufriedenheit und respektieren sich.

Das Wissen um die Hochbegabung erklärt die eigene Andersartigkeit und hilft beim Aufbau einer gesunden Eigenliebe. Wer unbewusste Baustellen schließt und sein Wohlbefinden steigert, wirkt positiv auf das Umfeld. Sich neue Ziele setzen, Herausforderungen annehmen, wirkt sich wiederum vorbildlich auf den Nachwuchs aus, der zum Nachahmen animiert wird.

Es gibt viele Gründe, die eigene Hochbegabung zu erkennen und zuzulassen – für hochbegabte Menschen oft der erste Schritt auf dem Weg zu einem erfüllten Leben.

Eure,

Manon García

Dez 262011
 
Hochbegabung bei Erwachsenen - Erkennen, Akzeptieren, Ausleben - Ratgeber für Hochbegabung von Manon Garcia

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Hochbegabung bei Erwachsenen – Sind Sie noch Katze oder schon Hund?

Der Ratgeber liegt nun in der 3. Auflage seit 02.12.2011 vor.

Änderung des Titels

Der Titel „Sind Sie noch Katze oder schon Hund?“ hat entweder zum Kauf animiert oder aber davon abgeraten. Dieser Titel polarisierte und schuf zwei Lager. Manche kauften das Buch gerade wegen des Titels, aber viele kauften es aufgrund des Titels nicht, auch wenn sie vorher eine Kaufempfehlung enthielten.

Dem wurde nun Rechnung getragen. Der Titel ist nun eindeutiger und nimmt die Irritationen, die viele empfanden.

Ich danke allen, die sich mit mir über die Wirkung des Titels austauschten und diskutierten.

 

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