Sep 112014
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

Flattr this!

Das Anderssein wird nicht immer verstanden.

Hochbegabte oder hochsensible Menschen fühlen, denken und erleben anders. Die Wahrnehmung ist eine andere und all das macht sich natürlich auch in der Kommunikation bemerkbar. Und damit wären wir bei den Interaktionen mit anderen Menschen. Denn ein „bloßes“ Anderssein wäre kein Problem, wenn man für sich allein bliebe. Aber sobald dieses Anderssein auf andere Menschen trifft, die damit nichts anfangen können, treten mitunter Probleme auf. Es kommt drauf an, wie das Gegenüber eingestellt ist und das Anderssein empfindet.

Verschiedene, individuelle Welten

Jeder Mensch hat seine eigene Erfahrungswelt. Diese entwickelt sich aus seinem Erleben, Fühlen, Wahrnehmen, seinen Erlebnissen, seiner Umwelt, der Sozialisation, den Prägungen, seinen Werten usw. Mit anderen Worten, jeder hat seine eigene Welt. Das wissen manche, aber beileibe nicht alle Menschen. Die, die es nicht wissen, gehen davon aus, dass jeder, dieselbe Erlebenswelt besitzt. Nimmt die Person etwas wahr, geht sie davon aus, dass das, was sie wahrnimmt, auch alle anderen wahrnehmen. Aber dem ist nicht so. Das ist ein Trugschluss, der zu Problemen führt.

Kommunikation will verstanden werden

Sprechen zwei Menschen miteinander, versuchen diese das Gesagte des anderen zu verstehen und einzuordnen. Es ist klar, dass eine Frage beantwortet werden möchte. Dafür muss diese als Frage erkannt werden. Dann geht es zum Inhalt. Wird etwas gefragt, was einem selbst als selbstverständlich und nicht nachfragenswert erscheint, wird gestutzt. Das Gegenüber wird überprüft. Was ist das für eine Person? Dumm oder schlau? Welches Wissen hat die Person? Welche Äußerungen hat sie sonst getätigt? All diese Überlegungen zu dieser Person sollen helfen die Frage zu deuten. Es könnte sein, dass die Frage eine Provokation sein soll, dass sie aus Unwissenheit gestellt wurde oder aber, dass die Person verstand, aber durch die Frage etwas andeuten möchte. Diese drei Möglichkeiten zeigen, dass es für die Person wichtig ist, herauszufinden, was nun mit der Frage genau bezweckt werden sollte.

Das Gesagte wird mit der eigenen Welt verglichen

Die Person ist in der Zwickmühle, weil sie die Frage nicht zuordnen kann. Deshalb geht der Blick bei den meisten in die eigene Welt. Hier wird geschaut, ob eine ähnliche Situation schon mal erlebt wurde und wie die entsprechende Reaktion war. Diese eventuelle Erfahrung dient nun als Grundlage für die eigene Reaktion bzw. Handlung. Die Antwort hat deshalb nur peripher mit der aktuellen Situation zu tun, da es Erfahrungen aus der Vergangenheit sind, mit anderen Menschen, einer anderen Umwelt, einer anderen Situation. Aber da Menschen eine Sicherheit benötigen, wird mit den alten und abgespeicherten Erfahrungen die aktuelle Situation geklärt. Die Gefahr ist groß, dass der aktuell fragenden Person eine Antwort serviert wird, die nicht passend, nicht stimmig ist. Sollte es sich nun noch um eine Person handeln, die anders ist, ist das Risiko noch größer, dass der fragenden Person mit der Antwort unrecht getan wird.

Selbstbewusstsein bestimmen die Interaktionen

Menschen brauchen Sicherheiten und können sie sich diese nicht selbst geben, weil sie mit zu wenig Selbstbewusstsein ausgestattet sind, wird diese versucht zu konstruieren. In diesem Fall, mit der gestellten Frage, die nicht eingeordnet werden kann, versucht sie mit alten Erfahrungen und entsprechenden Antworten zu reagieren. In dem Glauben nun „richtig“ gehandelt zu haben, gewusst zu haben, was „richtig“ war, vermittelt es ein Gefühl von Sicherheit. Ein scheinbares Gefühl von Sicherheit. Sollten noch Zweifel bestehen, muss weitere Schritte eingeleitet werden.

Nachfragen und sein Nichtverstehen kommunizieren

Wer dagegen in der glücklichen Lage ist nachzufragen, und somit den Fragenden nach seiner Intention zu fragen, wird schnell zum Ziel kommen. Der Fragende hat die Möglichkeit sich zu erklären und bekommt ebenso mit, dass seine Frage anders verstanden wurde, als angenommen. So wird offen über die Situation gesprochen und beide Parteien können sich durch Fragen und Erklärungen annähern und sich verständigen. Fehlt das aber, wird nicht nachgefragt, weil das wie eine Niederlage daher käme oder weil die Angst besteht, dass man ausgelacht wird, nimmt der Konflikt seinen Lauf. Denn die scheinbar vorhandene „Bedrohung“ muss beseitigt werden.

Nichtverstehen wird zur Abneigung

Kann die Person nicht nachfragen, weil Sie entweder aus Ihrer eigenen Welt „weiß“, dass sie provoziert oder aufs Glatteis geführt werden sollte, oder aber „weiß“, dass sie in Frage gestellt wurde, wird eine Abneigung, ein Widerstand aufbauen. Es wird angefangen sich zu rüsten und mit der Abwehr zu beginnen. Dazu gehört, der fragenden Person Negatives zu unterstellen. Also heißt es die andere Person anzugreifen, da ja der Angriff oftmals die beste Verteidigung sein soll. Also wird entsprechend geantwortet oder aber, was leider sehr oft der Fall ist, es wird nichts dazu geäußert, aber im Stillen gearbeitet. Vor dieser Person, die einen „angegriffen“ hat, muss natürlich bei anderen gewarnt werden. Nicht, dass andere genau so „angegriffen“ werden, wie man selbst. Also gilt es Menschen vor dieser „bösen“ fragenden Person zu warnen. Was einen schönen Nebeneffekt hat. Denn durch das Warnen, sind die Gewarnten dankbar, was einem warmen Schauer gleichkommt und gerade für Menschen ohne Selbstbewusstsein ein Kübel Selbstbewusstsein bedeutet.

Warum?

  • Warum wird so wenig nachgefragt?
  • Warum gibt man der fragenden Person nicht einfach die Möglichkeit ihre Frage zu erklären oder anders zu stellen?
  • Warum wird so viel in etwas hinein interpretiert?
  • Warum wird so schnell Negatives unterstellt?
  • Warum wird so eine Situation als Angriff aufgefasst?
  • Warum wird sich so schnell verteidigt?
  • Warum erkennen die Menschen so selten, dass die Entwicklung des Selbstbewusstseins vieles von der „Bedrohung“ nehmen würde?
  • Warum wird so schnell zu anderen geschaut, als mal bei sich zu sehen? (Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern zu sich selbst!)

Dabei gäbe es so eine einfache Lösung: Nachfragen.

Mit dem Nachfragen und dem Interesse für sein Gegenüber würden solche Situationen kaum noch auftreten, es wäre ein respektvollerer Umgang, ein harmonischeres Miteinander. Es ist schade, dass ein Nichtverstehen so oft in einem Konflikt endet. Für beide Seiten. Aber besonders bei Menschen, die anders sind. Denn die erleben solche Situationen oft, meist zu oft, was manchmal nicht ohne Folgen bleibt. Hier kann sich lediglich vor Augen geführt werden, welcher Mechanismus dahinter steckt, dass sich die Abneigung im Grunde genommen nicht gegen einen selbst richtet, sondern ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Unsicherheit des Gegenübers ist.

Was bleibt?

Andere Menschen mit ihren Schwächen akzeptieren, solche Situationen nicht persönlich nehmen und sich Menschen suchen, mit denen die Kommunikation harmonischer und verständnisvoller abläuft.

Eure,

Manon García

Follow

Get every new post delivered to your Inbox

Join other followers