Feb 222014
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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„Loben Sie Ihr Kind und es wird sich prima entwickeln“

ist eine Aussage, die man nicht selten hört. Oder wenn ein Kind Schwierigkeiten macht, wird nachgefragt, ob denn auch genug gelobt würde. Also ist Lob etwas Tolles und Positives. Oder?

Was ist ein Lob?

Lob ist eine Anerkennung von Leistungen, die durch verbalen oder körperlichen Ausdruck vermittelt wird. Menschen (Kinder wie auch Erwachsene) sind sehr empfänglich für Lob oder Anerkennung. Eine Folge von Lob kann sein, dass das Selbstwertgefühl des Gelobten steigt oder die Selbstsicherheit erhöht wird. (wikipedia.de) Kann deshalb davon ausgegangen werden, das Lob grundsätzlich positiv wirkt und eine gesunde Entwicklung fördert?

Lerntheorien

Die Lerntheorien des Behaviorismus beruhen auf ein erlerntes Verhalten. Auf Reize werden Reaktionen gelernt.

Ein plastisches Beispiel für die (klassische) Konditionierung ist von Pawlow mit seinen sabbernden Hunden. Beim Ertönen einer Glocke reagierte der Hund nicht. Wurde ihm Essen gegeben fing der Speicherfluss an. Nun ertönte während des Essen immer eine Glocke. Ertönte nun die Glocke ohne das Essen, begann beim Hund auch der Speichelfluss. Dieser Hund lernte also aus dem Reiz = Glocke eine Reaktion = Sabbern. Diese Reaktion war vorher nicht vorhanden.

Lernen mit Belohnung oder Bestrafung

Bei der operanten Konditionierung, wird ein spontanes Verhalten nachhaltig verändert, indem auf das Verhalten eine bestärkende oder bestrafende Konsequenz erfolgt. Mit anderen Worten wird etwas gelernt, indem ein Verhalten bestraft oder belohnt wird. Erfolgt eine Bestrafung wird das Verhalten unterlassen, erfolgt stattdessen eine Belohnung wird die Auftrittswahrscheinlichkeit erhöht. Skinner erforschte dieses Verhalten unter anderem mit Ratten in einem Käfig. Betätigte die Ratte einen Hebel bekam sie Futter. Es erfolgte also eine Belohnung für ein Verhalten.

Diese Mechanismen wirken natürlich nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen. Ein Kind bekommt Schokolade, wenn es nicht mehr weint. Es bekommt Geld, wenn es gute Noten schreibt. Diese operante Konditionierung befindet sich im gesamten Leben. Gehalt, wenn man arbeitet, Gehaltserhöhung bei guter Arbeit, Gratifikation bei besonderer Leistung, Zuschauer applaudieren, wenn ein Tor geschossen wird usw. Das gesamte Leben besteht aus diesen Verstärkungen und natürlich auch aus Bestrafung, um ein Verhalten zu unterlassen.

Leben besteht aus Konditionierung

Diese Konditionierungen begegnet uns in allen Lebenslagen. Was also sollte so schlimm daran sein? Das möchte ich mit einem anderen Beispiel zeigen. Watson zeigte in seinem unrühmlichen Experiment mit einem Kleinkind, dass durch diese Konditionierung eine Phobie „erlernt“ werden kann. Ebenso stammt die Aussage von ihm, dass man ihm wahllos ausgewählte Kinder geben sollte. Er würde für diese Kinder nach dem Zufallsprinzip Berufe auswählen, in denen sie dann zu Experten würden. Er behauptet, dass er durch diese Konditionierung aus jedem Kind alles machen kann. Das ist auf den ersten Blick eine schöne Sache, jeder kann durch die entsprechende Konditionierung erfolgreich werden.

Wo bleibt der Blick in das innere eines Menschen?

Der Nachteil bei dieser Lerntheorie ist, dass sie in keinster Weise den Mensch an sich berücksichtig oder auf ihn eingeht. Die, die diese Lerntheorien anwenden, sind mächtig und bestimmen das Verhalten und Leben des anderen. Je nach dem, was z. B. Eltern für ihr Kind als wichtig erachten, werden bestimmte Verhaltensweisen verstärkt und andere bestraft. Diese Macht sollte jedem bewusst sein! Wird diese Lerntheorie ohne Berücksichtigung des Menschen angewandt, entfernt sich ein Mensch immer mehr von sich selbst. Es kann passieren, dass der Belohnung alles unterstellt wird, auch die eigenen Bedürfnisse. Irgendwann wird aus diesem Kind ein erwachsener Mensch und dann kann es dazu kommen, dass dieser Mensch nicht weiß, wer er eigentlich ist, was er eigentlich mag und was nicht. Er kann aber genau sagen, bei welchem Verhalten eine Belohnung oder eine Bestrafung ansteht.

Lob ja, aber bewusst und mit Bedacht

Bei allem Lob sollte nie vergessen werden, dass es um Menschen geht, die alle anders sind. Menschen sind individuell und haben entsprechende Wünsche, Träume, Gefühle. Wird dieses missachtet wächst unter Umständen ein kranker Mensch heran. Wird aber von den handelnden Menschen geschaut, was das Kind möchte und wird dann dieses Verhalten verstärkt, kann etwas ganz Großes entstehen. Bei allem Konditionieren darf nicht vergessen werden, dass es ein Innenleben gibt, was für eine gesunde Entwicklung beachtet werden sollte.

*Fazit

Wer lobt, um jemanden in seinem Tun und Handeln zu unterstützen, fördert die Entwicklung dieses Menschen. Wer lobt, um jemanden auf einen anderen Weg zu dirigieren, sollte sich fragen, ob eine andere Person den eigenen – nicht selbst gegangenen – Weg gehen soll. Und sollte sich fragen, ob es der eigenen Entwicklung dienen würde, sich selbst zu achten, weil man ist, wie man ist.

In diesem Sinne, freue ich mich über euer Lob,

eure,

Manon García

 

* ergänzt am 23.02.2014

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