Hochbegabt und Hochsensibel – eine Einheit oder verschiedene Systeme?

Hochbegabung und / oder Hochsensibel

Gehört zur Hochbegabung die Eigenschaft der Hochsensibilität dazu oder sind es zwei verschiedene Eigenschaften, die unabhängig voneinander sind?

Andrea Brackmann schreibt in ihrem Buch „hochbegabt und hochsensibel“, dass diese beiden Eigenschaften zusammengehören. Allerdings kennt jeder von uns hochbegabte Menschen, denen man das Label hochsensibel nicht unbedingt anheften möchte. Hinzu kommt, dass in der Literatur von 20% Hochsensiblen gesprochen wird. Bei den Hochbegabten kommt man auch bei gutem Willen nur auf 2.38% (dank Gauß’scher Glockenkurve). Das alleine passt schon nicht zusammen. Die nächste Frage ist, wie viele hochbegabte Menschen denn nun zu den hochsensiblen Menschen gezählt werden. Oder ist der Anteil der Hochsensiblen bei den Hochbegabten auch bei 20%?

Fehlende Forschungen und Ergebnisse

Die Wissenschaft nähert sich seit ein paar Jahrzehnten dem Thema Hochbegabung. Hochsensibilität ist dagegen noch gänzlich unerforscht. Entsprechend liegen kaum / keine Ergebnisse vor. Das Wissen darüber befindet sich in den Kinderschuhen.

Deshalb ist alles, was ich hier aufschreibe, meine persönliche Meinung, die ich nicht wissenschaftlich untermauern kann. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

„versteckte“ oder „unterdrückte“ Hochsensibilität

Aus eigener Erfahrung und aus vielen Gesprächen mit Betroffenen kann ich sagen, dass sich eine Hochsensibilität „verstecken“ kann oder anders: Hochsensibilität kann unterdrückt werden.

Es ist genauso wie bei der Hochbegabung. Auch diese muss gelebt werden. Der Umgang mit ihr, das Leben mit ihr, das Verständnis, alles muss erlernt werden. Hier hilft es natürlich, wenn im näheren Umfeld Erfahrungen mit diesem Thema vorliegen. Hochbegabung wird vorgelebt und Kinder schauen – wie bei allen anderen Themen – auf die Bezugspersonen. Wird eine Hochbegabung nicht gefördert und gefordert, wird ein hochbegabter Mensch unter Umständen nicht entdeckt, was dazu führen kann, dass dieser Mensch mit seiner Andersartigkeit täglich aneckt, sich zurückzieht oder sich selbst gar verleumdet.

Ich wusste von meiner Hochbegabung nichts bis zum Testergebnis. Im Gegenteil, ich ging davon aus, dass ich eher nicht hochbegabt bin. Zuviele Dinge konnte ich nicht, leichte Tätigkeiten verursachten mir im Vergleich mit anderen Schwierigkeiten und meine „Fähigkeiten“ konnte keiner Einordnung, wurde es doch nicht verstanden. Die Hochbegabung kam also aus dem Nichts zu mir und ließ sich nicht mehr abschütteln.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Hochbegabung, konnte ich mir vieles erklären, viele Fragen konnte ich beantworten, aber es kamen immer mehr Fragen hinzu. Besonders im Bereich der Wahrnehmen und des Fühlens. Im Bereich des Denkens fand ich Antworten und das Konstrukt wurde für mich schlüssig. Aber die Bereiche Wahrnehmen und Fühlen blieben mir ein Rätsel, welches ich nicht mit der Hochbegabung erklären konnte.

  • Woher kam die Fähigkeit Dinge zu spüren, die sonst keiner spürte?
  • Wieso konnte ich Gefühle von anderen Menschen spüren, aber nicht die eigenen?
  • Wie konnte es sein, dass ich meine Gefühle zusammen mit der Hochbegabung wegsperren konnte?
  • Woher kamen plötzlich Wahrnehmungen, die ich nicht kannte?

Hochsensibilität entwickelte sich

Mit der Erkenntnis, dass ich hochbegabt sei, fing ein neuer Lebensabschnitt an. Wie im Buch beschrieben fing eine Phase an, in der alles auf den Prüfstand kam. Alles wurde hinterfragt und ich versuchte herauszufinden, wer ich denn nun sei. Die Frage „Wer bin ich?“ sollte mich die ganzen Jahre begleiten und ich behaupte, dass ich es immer noch nicht endgültig sagen kann. Ich weiß mehr über mich, ich habe mich ein Stück weit kennengelernt, aber ich weiß immer noch nicht zu 100%, wer ich bin.

Auf dem Weg zu mir selbst, entdecke ich täglich neues an mir. Neue Gefühle, Emotionen, Wahrnehmungen, Interessen und Talente. Natürlich lerne ich auch immer mehr Schattenseiten, Ängste, Schmerzen, Verletzungen, Zweifel und Sorgen kennen. Das gehört zu einem Leben dazu. Dieser Mix macht ein Leben ja erst lebenswert.

Gefühl versus rationalem Denken

Der Weg beinhaltet auch, dass sich eine nicht gekannte Hochsensibilität äußerte. Im Grunde war ich früher immer stolz, dass ich rational mit Problemen umgehen konnte. War ich doch immer im Vorteil gegenüber anderen, die erst durch ein Tal der Gefühle gingen. Wenn andere sich aufmachten den Berg zu erklimmen, wartete ich bereits auf der Spitze und konnte neuen Taten entgegensehen. Probleme sachlich und rational, sprich ohne Gefühle oder  Gefühlsduseleien anzugehen, verschafft einen Vorsprung. Diesen hatte ich in der Vergangenheit für mich zu nutzen gelernt.

Auf der anderen Seite war es aber auch unvermeidlich, dass der rationale Kopf die Führung übernahm. Ich hatte niemals gelernt mit meinen Gefühlen oder meinen Emotionen umzugehen, sie zu benennen oder sie auszuhalten. Aus diesem Grunde wurden diese unterdrückt und stattdessen das rationale Denken forciert. Es gibt genügend Motivationstechniken, die jeden Menschen in bestimmten Situationen helfen. Diese zu 100% angewandt ergibt ein Leben ohne Gefühle, ohne Emotionen, sondern mit Zielen, Strukturen und Konstruktionen. Dazu gehört das Sich-ablenken, wenn die Ruhe nicht ausgehalten wird. Für einen Menschen, der an fast allem interessiert ist, den vieles fesselt, der gerne denkt und gerne knobelt, die einfachste Sache der Welt. Schwierig wird es, wenn dieses wieder rückgängig gemacht werden soll.

Gefühle zulassen, wahrnehmen und benennen

Auf meinem Weg stand ich vor der Herausforderung meine Gefühle wieder zuzulassen, diese wahrzunehmen, um sie benennen zu können. Je mehr ich diese zulassen konnte, je mehr ich mich mit ihnen auseinandersetzte, umso mutiger wurde weitere Gefühle, die sich äußerten.

Das Arbeiten an mir deckte langsam, aber sicher, die Hochsensibilität auf. Was anfangs nicht ausschließlich zu meiner Freude geschah. Denn nun musste ich lernen mit meinen Gefühlen umzugehen und zusätzlich, dass ich nicht so abgehärtet war, wie ich dachte. Denn die Sinne liefen mittlerweile auf Hochtouren und vermittelten mir immer Neues, was es galt einzuordnen.

Hochbegabt und hochsensibel

Hätte ich vor ein paar Jahren noch gesagt, dass ich nicht empfindlich oder sensibel sei, muss ich das heute revidieren. Früher galt für mich NICHT hochbegabt und NICHT hochsensibel und das änderte sich nun zu hochbegabt und hochsensibel.

Da ich bei mir und auch in Gesprächen mit vielen anderen Menschen dieses Phänomen feststellen konnte, sehe ich alle Menschen, die mir im ersten Moment unsensibel oder grob erscheinen in einem ganz anderen Licht. Wer weiß, ob dieser Mensch nicht auch einfach mit seinen Gefühlen und Wahrnehmungen nicht klarkommt und diese deshalb unterdrückt. Denn wer bestimmte Eigenschaften an sich unterdrückt, der entwickelt eine Abneigung gegen diese Dinge und gibt sich oftmals sehr aggressiv.

Nicht umsonst heißt es, dass ein Mensch nur dann sehr emotional reagiert, wenn es eine Schattenseite von diesem Menschen ist. Das bedeutet, dass der Mensch unerwünschte Eigenschaften besitzt, die er unterdrückt oder abspaltet. Also als Schutz vor sich selbst, werden andere Menschen (verbal) attackiert.

Fazit

Es gibt mehr hochsensible als hochbegabte Menschen, aber ich denke, dass viele Hochbegabte auch hochsensibel sind, auch wenn man es nicht immer erkennen kann. Gerade Menschen, die anders sind und sich anpassen oder funktionieren, um dazuzugehören, unterdrücken oder spalten gewisse Eigenschaften ab, sodass das äußere Erscheinungsbild täuschen kann.

 

Ich wünsche jedem, dass der eigene Weg gefunden wird.

Eure,

Manon García

 

19 Replies to “Hochbegabt und Hochsensibel – eine Einheit oder verschiedene Systeme?”

  1. Hallo Maron,

    ich bin durch den Begriff Hochsensibel, erst auf Hochbegabung gestossen, bei der Suche nach geistigen Futter, ganz zufällig mit 36! Beim lesen des Buches von Brackmann, dachte ich mich trifft der Schlag.
    Damit wieder Ruhe im Kopf ist und um mir zu bestätigen, dass dies unmöglich sein kann, habe ich mich schnell zum Mensatest angemeldet und auch nur überdurchschnittlich abgeschnitten.

    Aber mal was zum hochsensibel sein!

    Denn dass ich hochsensibel bin, hat man mir Tag für Tag schon als Kind vorgehalten, so bin ich zur Überzeugung geraten, ich bin von einem anderen Planeten und mit mir stimmt was nicht.
    Irgendein Fluch liegt auf mir, dachte ich immer, denn das Gefühl, mich in jeden und alles reinversetzen zu können, jeden Mist zu registrieren, jedoch der sehnlichste Wunsch, es könnte sich mal jemand in mich hinein denken/fühlen blieb furchtbar lange unerfüllt.
    Dass es auf der Erde auch noch andere gibt, welche nicht gern ausgehen, weil sie die Geräuschkulisse unerträglich finden, die sich als Kind die Ohren zugehalten haben, bei dies und jenem und dafür als Mimose beschimpft wurden, ist dann schon tröstlich unabhängig vom Intelligenztestergebnis.

    Ich vermute mal, wenn man die Hochbegabungsmodelle nimmt, welche auch musikalische, künstlerische und emotionale „Begabung“ mit einbeziehen, stößt man auf mehr Zahlendeckunng mit Hochsensiblität.

    Mir sagt man eine emotionale Begabung nach, obwohl ich als Kind immer als extrem ungeschickt, hölzern und redefaul galt.
    Eigentlich wollte ich immer meine Ruhe haben um nachdenken zu können oder mich ganz der Musik hinzugeben, aber das Feedback was ich dafür bekam, war furchtbar und verletzend.
    Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass ich fürs Zuhören Lob bekam und so begann meine soziale Karriere.
    Die endete jetzt fast mit einem Psychologiestudium!
    Allerdings komme ich so langsam aber sicher wieder zur Natur zurück und erlaube mir „unsozial“ zu werden und mich auf meine tatsächlichen Leidenschaften zu konzentrieren, Musik und Mathematik!

    Musik ist für mich die Sprache, die dort weitermacht, wo der menschliche Sprachgebrauch versagt und Mathematik tröstet mich einfach und befriedigt mich kognitiv, was ich nicht von vielem behaupten kann!
    Gerade wenn mich wiedermal Gefühlstsunamis überrollen, sind die beiden extrem hilfreich.

    Fürs erste

    Beste Grüße

    Susan

  2. Hallo Susan,

    wenn man bei einem IQ-Test nicht mit einer Zahl >130 abschneidet, heißt das nicht, dass man nicht hochbegabt ist. Einen Test kann man – bedingt durch viele Gründe – schlechter, aber niemals besser abschneiden. Deshalb ist diese Zahl natürlich relativ. Hochbegabung muss genauso gefördert werden, wie alles andere. Ein Fußballprofi würde niemals in der Bundesliga spielen, würde er nicht entdeckt, gefördert und gefordert. Der Kopf, das Gehirn kann jederzeit aktiviert und ausgebaut werden.

    Ich denke, dass das was Sie oben über die Hochsensibilität schreiben, der Grund ist, warum einige Kinder ihre Gefühle abspalten, unterdrücken oder unterbinden. Dinge wahrzunehmen, zu spüren, zu fühlen, zu hören oder zu sehen, die sonst keiner sieht und immer als verrückt, mimösig oder sonst wie tituliert zu werden, kann bei einem ungünstigen Umfeld dramatische Folgen haben.

    Es ist richtig, der IQ-Test geht nicht auf alle Hochbegabungsarten ein und die emotionale Intelligenz kommt der Hochsensiblität am nahesten. Es gibt ja bei der Sensibilität keine Gauß’sche Glockenkurve.

    Musik und Mathematik! 🙂
    Das sind auch zwei Gebiete, die mir sehr gefallen und denen ich gerne nachgehe. Gerade Musik transportiert Gefühle sehr gut und Mathematik ist mit dem logisch-analytischem Denken geeignet, um sich abzulenken, sich herauszuziehen. Manchmal hilft erstmal die Flucht, um sich danach ausgeruht an die Probleme zu setzen.

    Viele Grüße

    Manon

  3. Hallo Manon,

    ich habe fast Lust, „Du“ zu sagen!

    Die Artikel auf der Seite hier sprechen mich sehr an, und ich lese jetzt zum zweiten Mal die Bücher von Andrea Brackmann; ich habe heute noch „Sind sie schon Katze oder noch Hund“ sowie „Kluge Mädchen“ bestellt – ich verschlinge gerade alles, was mit dem Thema zu tun hat.

    Als Kind war die Schule schrecklich langweilig; ich hätte Klassen überspringen können (sollen, finde ich!) aber die Lehrer damals wollten nicht, weil ich „sozial nicht integriert“ war. Aber verbessert hat sich sozial nicht viel, finde ich. Und meinten sie alle, ich wäre ein „Sensibelchen“ – meine Mutter wurde immer wütend, wenn ich morgens nach dem Aufstehen ins Zimmer kam und „fühlte“ wie es ihr ging, wie die Stimmung war, wenn ich erraten konnte, was andere denken oder sich fühlen oder tun. Grosse Menschenansammlungen kann ich immer noch nicht vertragen – ich fühle mich danach immer wie ausgelaugt, auch wenn ich gerne mit anderen zusammen bin, aber eben lieber „one on one“.

    Ich bin zum Teil in einer streng religiösen gemeinschaft aufgewachsen, so durfte ich als Mädchen nicht auf Gymnasium sondern sollte etwas lernen, was aufs Muttersein vorbereitet. Den immer gewollten Chemie- und Physikbaukasten gab es natürlich nie! Das ist nichts für Mädchen, hiess es…

    Später bin ich dann abgehauen und doch noch aufs Gymnasium. Aber komischerweise gab es dort in meinen Lieblingsfächern -Mathe, Chemie, Physik, Geographie- den Totalabsturz obwohl es vorher nur Bestnoten gab. Schriftlich war alles Klasse, mündlich habe ich die Mitarbeit mehr oder weniger verweigert. Ausserdem hatte ich Angst (wenn ich nun was sage, ich weiss es ist richtig, aber es besteht 0.000000001% Chance dass es nicht perfekt ist…) Als die Mathelehrerin in der Oberstufe noch sagte, wenn ich zu doof wäre, wäre das mein Problem und sie könne mir dann auch nicht helfen, war es ganz aus. Als Kind wollte ich Lieder komponieren und schrieb die Noten auf, aber meine Mutter hat mich nur ausgelacht. Da hab ich eben aufgehört.

    Ich hab dann was anderes studiert, und auch gut abgeschlossen. Aber Mathe – das steht da immer noch irgendwie und ruft… aber ich trau mich nicht mehr. Wenn ich nun doch nichts verstehe? Trotz immer guten Noten überall denke ich immer dass ich überall durchfalle, nichts oder zumnidest nicht viel kann.

    Tests haben schliesslich die Hochbegabung rausgebracht.Aber was mache ich jetzt mit dieser Zahl? Ich bin 36 Jahre alt, Mama von 2 Kindern (von denen eines wahrscheinlich auch hochbegabt ist), verheiratet, arbeite 40% von zu Hause aus. Es ist eigentlich ein schönes Leben. Und dennoch – bei mir macht sich so eine Mischung aus Sehnsucht und Wut breit – warum hat man mir damals nicht „geholfen“, mich leben lassen? Und jetzt? Was mache ich nun mit dieser neuen nicht so neuen Erkenntnis die zugleich schockierend und bestätigend war. Ich? begabt? Sicher nicht. Aber das testergebnis sagt wohl was anderes.

    Ich hoffe ein paar Ideen in deinem Buch zu finden, Manon (jetzt hab ich also doch ganz frech „Du“ gesagt – ich kann mich halt schlecht an Regeln halten…).

    Liebe Grüsse aus der kalten Schweiz wo es noch kälter werden soll…
    Azini Y.

    • Hallo Azini,

      das „Du“ ist völlig in Ordnung! Regeln sind doch dazu da, um gebrochen zu werden. 😉

      Danke für deine Geschichte und ja, ich gehe davon aus, dass du in meinem Buch einiges entdecken wirst, was dir weiterhelfen wird.

      Diese Phase, die du durchmachst, ist gerade sehr heftig. Zumindest war sie das bei mir. In dieser Phase war ich zwar total euphorisch, weil ich hochbegabt war, aber auch am Boden zerstört. Was hätte ich alles machen und werden können … wie schön hätte die Schule mit entsprechender Förderung sein können usw. Anschließend wollte ich alles nachholen, am liebsten in einem Tag, aber das ging nicht. Und die Erkenntnis, dass mir die Hochbegabung erstmal nichts bringt, weil ich nicht wusste, wie man Hochbegabung lebt, tat ihr übriges.

      Es hat eine Zeit gedauert bis ich alles einsortieren konnte, bis ich wusste, was ich mit der Hochbegabung machen und wie ich verpasstes nachholen kann. Dazu gehörte natürlich auch der Aufbau der inneren Stärke sowie das Selbstbewusstsein. Nach außen – durch die Fassade – konnte ich es so aussehen lassen, als hätte ich ganz viel davon, aber innen war ich hohl. Das habe ich dann sukzessive aufgebaut und freue mich über mein „neues“ Leben.

      Bei den nächsten Schritten wünsche ich dir ganz viel Kraft und Energie!

      Sollten Fragen auftauchen, melde dich gerne bei mir.

      Lieben Gruß aus dem ebenfalls sehr kalten Berlin

      Manon

  4. Hallo Manon,

    mich beschäftigt das Thema Hochbegabung seit einiger Zeit wegen meiner beiden Kinder, von denen mindestens eines sehr wahrscheinlich hochbegabt sein könnte. Mein Sohn erinnert mich sehr stark an meine eigene Kindheit und ich erkenne mich oft in ihm wieder.

    Auf der Suche nach Antworten bin ich auf diese Seite gestoßen und habe mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass es auch im Erwachsenenleben noch etwas nach einem Test geben kann. Bisher war mir nicht klar, was ich allein mit einem möglichen positiven Ergebnis anfangen sollte. Ich muss dazu sagen, dass ich aufgrund einer langjährigen Essstörung bereits durchtherapiert bin und den Zustand der Unzufriedenheit als nichtlebensbedrohliches Überbleibsel „akzeptiert“ habe. Ein erster Probetest auf der Mensa-Seite prognostizierte mir eine hohe Wahrscheinlichkeit, den Test zu bestehen. Als Kind besuchte ich eine sogenannte Russisch-Schule (Begabtenförderung in der DDR), welche ich sehr gut abgeschlossen habe. Ich spielte erfolgreich Schach, nahm an Mathe-Olympiaden teil u.s.w.

    Dennoch fehlt mir (noch) der Mut zur Gewissheit. Erst einmal werde ich mir Ihr Buch bestellen. Für Ihre Ermutigung bin ich Ihnen sehr dankbar und auch dafür, dass ich hier erstmals öffentlich meine Gedanken/Befürchtungen kundtun durfte. Bisher habe ich noch niemals mit jemandem darüber gesprochen.

    Liebe Grüße
    aus dem Speckgürtel von Berlin

  5. Hallo Nicole,

    gerne kannst du dich bei weiteren Fragen an mich wenden. Es ist ein großer Schritt, der vor einem liegt. Manchmal erscheinen die kleinsten Hindernisse als unüberwindbar. Dabei kann ein Austausch Wunder wirken. 🙂

    Lieben Gruß
    Manon

  6. Hallo Manon,

    Dein Buch habe ich vor einiger Zeit (als bisher letztes einer langen Reihe zu diesem Thema) gelesen und war danach sehr motiviert. Nun hänge ich leider wieder etwas durch, was sicher auch meinen derzeitigen Lebensumständen geschuldet ist. Meine Tochter – noch kein Jahr alt – beansprucht den Großteil meiner Zeit, wodurch ich mich ein wenig gehandycapt fühle in Sachen „Aktiv werden“. Sie ist aber auch ein Grund, weshalb ich mich mal wieder unter Zugzwang fühle, meine HB zu leben, denn natürlich will ich ihr ein gutes Vorbild sein.

    Übrigens bin ich über die Hochsensitivität auf meine Hochbegabung gekommen. Bei Mensa hab ich allerdings nicht „bestanden“, jedoch beim Therapeuten. Meine beste Freundin ist hochsensitiv und zweifellos hochbegabt, was sie jedoch hartnäckig von sich weist. Schade! Mein Lebenspartner ist leider auf das Thema nicht gut zu sprechen. Von daher fühle ich mich etwas alleingelassen.
    Muss man den Weg denn eigentlich unbedingt allein gehen? Allein war ich doch mein ganzes Leben. Da fehlt es mir wohl noch an der nötigen Stärke und Selbstbewusstsein.

    Grüße aus B,
    Ina

    • Hallo Ina,

      mit Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen.

      Du fragst, ob man den Weg alleine gehen muss. Das ist eine gute Frage! Ich denke, hier muss differenziert werden. Erstmal zum Alleingehen.

      Wer in seiner Kindheit immer wieder feststellt, dass seine eigenen Wünsche, Ideen, Anregungen, Gedanken, als falsch tituliert werden, wer ignoriert oder isoliert wird, wer eventuell sogar Strafen oder Sanktionen erleiden musste, der hat in seiner Kindheit gelernt nur noch Sachen umzusetzen, die von „den anderen“ (vermeintlich) akzeptiert werden. Also diese Person wird auch als Erwachsene immer auf der Suche nach einem „Gegenüber“ sein, der sagt, was getan werden soll. Diese Suche aber kann nicht funktionieren, denn was wir wollen oder auch nicht, können nur wir wissen. Wir alleine. Deshalb wäre ein wichtiger Schritt sich zu verdeutlichen, dass man auf sich hören sollte. Bevor also die Suche nach außen losgeht, wer eventuell helfen könnte, sollte die Suche in einem selber erfolgen. Was will ich, was wünsche ich, was denke ich. Sollten diese Punkte für einen selber geklärt worden sein, dann kann der Blick wieder nach außen gerichtet werden. Denn nun geht es zur Suche nach Mentoren, Unterstützen, Begleitern. Diese sollten aber nicht manipulieren, nicht eingreifen, sondern bei dem eigenen Weg helfen. Die Hand halten, wenn man so will, aber uns nicht in eine Ecke ziehen. Denn das hatten wir ein Leben lang. Das brauchen wir nicht mehr. Für mich war die wichtigste Erkenntnis, dass nur ich alleine meinen Weg aussuchen und gehen kann. Als ich verstand, dass ich keinen fragen brauche, sondern die Antworten in mir selbst sind, ging es voran und bergauf. Allerdings hatte dieser Prozess gedauert. Denn was war, wenn ich andere fragte? Ich war mit der Antwort nie zufrieden! Irgendwas passte nie und im Endeffekt war ich dann noch unzufriedener, weil ich zum einen immer noch keine passende Antwort hatte und zudem verunsichert, weil mich keiner verstand. Denn sonst hätten sie mir ja die „richtige“ Antwort gegeben. Also grundsätzlich ist es so, dass wir den Weg alleine gehen müssen. Aber sich selbst vertrauen gehört zum Selbstvertrauen. Und Menschen wie wir haben vielleicht noch nicht genügend davon aufbauen können. Deshalb ist der Weg anfangs sehr steinig.

      Nun zu Wegbegleiter.
      Natürlich ist es schade, dass deine Freundin oder dein Lebenspartner so gar kein offenes Ohr haben. Diese Menschen kennst du und du vertraust ihnen. Eine Kommunikation wäre einfacher, als mit erstmal fremden Menschen. Aber vielleicht ist der Blick dieser Menschen auch schon subjektiv gefärbt? Deshalb die Überlegung, ob es nicht ratsam wäre, wenn du dir Außenstehende suchst. Hier wäre meine erste Idee ein Hochbegabtenverein wie Mensa. Dort gibt es viele Hochbegabte und viele mit ähnlichen Problemen oder Lebensläufen. Hier könntest du Wegbegleiter finden, die dir die Hand reichen, die kritisch hinterfragen, die offen und flexible sind. Denn genau solche Menschen brauchst du. Keine Menschen, die alles in Frage stellen, die sofort wissen, warum es nicht gehen kann. Sondern Menschen, die ebenso wie du, die Chance sehen. Die Chance, die in dem Wandel, in der Veränderung, steckt.

      Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Energie, damit du dein Selbstvertrauen und dein Selbstbewusstsein aufbauen bzw. stärken kannst. Denn das geht immer einher mit dem Weg, den du gehen möchtest. Und Stärke hast du genug!!! Schau mal genau hin! 🙂

      Lieben Gruß
      Manon

  7. Liebe Manon,

    danke für Deine lieben Worte. Ich merke wieder, Du weißt, wovon Du sprichst:) Das macht widerum Mut, dass ich selbst es auch schaffen werde, meinen Weg zu gehen.
    Mensa-Treffen steht seit langem auf dem Plan. Bestimmt klappt es bald, dass die Umstände (Kind fit, Mann zuhaus) stimmen und ich zeitgleich genug Mut aufbringe.
    Zum Thema Handreichen: Bis ich wieder die Psychotherapie aufnehmen kann, dauert nicht mehr soo lange. 2 Jahre sind fast herum 😉 Mein Therapeut ist ein prima Empath. Bis dahin versuche ich es mit Lektüre: „Praktische Selbst-Empathie“ von Gerlinde Ruth Fritsch. Für den Anfang war „Gefühle – Eine Gebrauchsanweisung“ von Amana Virani ganz hilfreich. Ist jedoch schwierig, zu seinen eigenen Gefühlen durchzudringen, wenn man den Draht schon früh im Leben gekappt hat, um bestehen zu können. Daher will ich es zudem mit Hypnotherapie versuchen, um Blockaden zu überwinden und an Unbewusstes zu gelangen; das bringt wohl schnelle Erfolge. Schließlich ist heute der erste Tag vom Rest meines Lebens… Und eilig hab ich´s eh immer. Ich werde berichten.

    Liebe Grüße,
    Ina

  8. Pingback: Sei doch nicht so empfindlich | Vielbegabte

  9. Ich empfinde das für mich persönlich als eine sehr beängstigende Thematik…..ich hätte mal einen IQ Test machen sollen (Idee meines Psychologen), aber ich kniff – zugroß war die Angst das da für mich anschließend in großen Lettern stehen würde: IDIOT, es reichte mir ja schon das ich mich phasenweise selbst für einen hielt.
    Das ist auch das wirklich absurde an meiner Person, es gibt Momente da fühle ich mich vielen Menschen überlegen und im nächsten Moment beschimpfe ich mich quasi selbst als überheblich und fühle mich dann mehr oder weniger zufrieden als dumm (das wurde mir ja oftmals bestätigt).

    Mein Psychologe beschrieb mein Hirn mal als übertaktete Hochleistungsmaschine, die sich dabei – also bei diesem Tempo – immer wieder mal verhaspelte, weil ich vergaß meine „Zwischenüberlegungen“ anderen mitzuteilen und wie selbstverständlich davon ausging das man diesem Gedankenhüpfen doch klar folgen kann (wenn man zwischendurch mitdenkt).
    Und es stimmte, es gab nur wenige Menschen die das alles verstanden und die das überhaupt interessierte.

    Ich verzweifle innerlich wenn jemand für mich einfachen, logischen Schlußfolgerungen eben nicht folgen kann und fange dann an es in 5 verschiedenen möglichst plastischen Formulierungen mit Hand und Fuß zu erklären (hilft auch nix´- will auch keiner wissen deswegen lass´ich das inzwischen).

    Ich bin ein Underarchiever, der die fast komplette schulische Laufbahn von oben und anschließend von unten betrachten konnte (da hatte ich dann endgültig keine Lust mehr).

    Der Beginn des ersten Schuljahres war eine Katastrophe, allerdings nur solange bis der Knoten geplatzt war und ich konnte in kürzester Zeit den Rest der Klasse überrunden – das wiederum ging den Lehren dann auch auf die Nerven und ich lernte schnell Mittelmaß zu sein und ich hasste die Schule.
    Schöner war´s halbe Nächte als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke dem Lesen zu widmen, in den englischen Gärten herumzustreunern und zu entdecken und jedes lädierte Tier anzuschleppen und zu versorgen.
    Mit sogenannten Freundinnen tat ich mich sehr schwer, meine Erkenntnis war das es ohne Reibereien, Eifersüchteleien und sonstigen für mich seltsamen Umgangsweisen schwer möglich mich anzupassen (mich interessierte die sinnlose Zeitverschwendung dieser Spielarten nicht).
    Zumindest weiß ich das ich hochsensibel bin und muss sagen, das dies ein zwiegespaltenes Gefühl ist, denn es ermöglicht einem neben besonderen Hochgefühlen auch so einige schwer auszuhaltende andere Gefühle (hohes Mitgefühl mit anderen , Empathie, ein zuviel an Sinneseindrücken).

    Was mich auch immer noch davon abhält einen IQ Test zu machen – ich weiß das klingt jetzt sonderbar – ich empfinde eine Gemeinsamkeit beim Anblick von Hochbegabten in der Ausstrahlung, in der gesamten Mimik die etwas sehr positives hat, die aber schwer für mich in Worte zu fassen ist.
    Und bei mir selbst kann ich diese Züge nicht erkennen.

    Das komische ist, ich mache gerade eine zweite Therapie und meine Psychologin unterstreicht gerade Wesenszüge bei mir wie:
    Logisches Denken, schnelle Auffassungsgabe, Empathie, reflektieren und hat mir wirklich angeraten ich solle eine psychologische Ausbildung machen oder wenn´s irgend geht studieren.

    Klar freut´s mich, von anderen zu hören (gut ein stückweit ist Motivation natürlich auch ihr Job 😉 ) mach was aus deinem Verstand und verlasse die Endlosschleife von Mißerfolg und dann kann ich´s wiederum nicht fassen.
    Ja und ich bin ein Gerechtigkeitsapostel (nein nicht nur für meine Rechte!) und damit schon oft bei Autoritäten wie z.B. damals Lehrer angeeckt weil ich es wagte (und das durchaus höflich!) eine Position zu beziehen und eben auch mal Mitschüler zu verteidigen (das wurde als nervig empfunden und unverschämt – ich konnte meine Wände mit Verweisen pflastern), dabei wollte ich nur ein höfliches Gespräch auf Augenhöhe …
    Diese Sensibilität vergleiche ich oft bildlich gesehen damit, das mir das Gras zu grün, der Himmel zu blau und zu nah, der Menschen zu viele und zu laut, alles viel zu real und mir das Universum jetzt sofort auf den Kopf fällt 😉 (nicht das ich etwas gegen schönes Wetter hätte).
    Soll heißen, es gibt Tage an denen es mir ungeheuer schwer fällt all´diese Eindrücke zu filtern, Begründung meiner Psychologin war allerdings (durch schlechte Erfahrungen in der Kindheit) das dieses Verhalten ein Stresssymptom dessen ist, das ich durch meine Erfahrungen oftmals gezwungen bin auf´s genaueste meine Umgebung zu scannen – ich selbst gehe von beidem aus.

    Mich interessieren die kuriosesten Dinge und ich versuche mein Wissen darüber zu vertiefen ;-), was natürlich manchmal in der Umwelt auf Befremden stösst ;-).
    Ich glaube Underarchiever sind super schwer zu knacken und ich weiß nicht ob ich diese Hürde je nehmen werde und kann, da mich allzuviel aus dem Gleichgewicht bringt und ich mir die Welt eben nicht nach meiner Fantasie formen kann, auch wenn ich glaube sie wäre dann besser ;-).

    • Underachiever sind nicht schwerer zu knacken als alle anderen. DAS ist eine Ausrede. 🙂 Und ich frage mich, was Sie daran hindert ein Studium zu beginnen? Sollte ein Präsenzstudium nicht infrage kommen, dann vielleicht eines im Fernstudium? Und warum nicht Psychologie? Damit würden Sie sich von der theoretischen Seite kennenlernen und können das dann auf die praktische Seite anwenden. Na, wann geht es los?

  10. 😉 aua der Nagel landete auf meinem dicken Zeh und das ziemlich treffsicher 😉 – vielleicht gucke ich ja ein bisschen aus meiner Höhle 😉
    Eigentlich haben sie ja vollkommen recht, aber man gewöhnt sich auch so herrlich ans Versagen 😉 und fürchtet sich tatsächlich vor´m Gegenteil, daran versuche ich bzw. wir ja gerade zu arbeiten und ich muss sagen meine Therapeutin steckt mich behutsam aber sicher diesbezüglich in einen Schraubstock und ich halte dem Druck bisher stand ;-).
    Ah, jetzt stehe ich da und grinse hinter meinem Bildschirm…fühle mich ein bisschen ertappt, arbeite aber momentan wirklich sehr intensiv mit meiner Angst die ich erstmal überwinden muss.
    In mir stecken leider auch ein Haufen beschissener Gefühle, die zwar alt aber beständig da sind und die kleinen Stimmen im Kopf die da sagen du bist doof, das kannst du nicht sind schwer zu verscheuchen – aber auch da arbeite ich dran!
    Aber ich muss zugeben, ich finde es toll was sie aus Ihrem Leben gemacht haben!!!

    Lg, Nirwana

    • Danke!
      Übrigens kenne ich das Gefühl und ja, es brauchte eine gewisse – sagen wir – Vorbereitung, um sich aus der Höhle zu wagen. Aber wenn man den kleinen Zeh erstmal rausgehalten hat, dann zieht es einen weiter raus. Da hilft dann alles festkrallen nichts mehr. 😀 (Außer abgebrochene Fingernägel oder so.)

      Diese Angst, wir man vermutlich nie komplett hinter sich lassen können, aber es kann ein annehmbarer Kompromiss ausgehandelt werden. Und wer weiß, vielleicht kommt irgendwann der Punkt, an dem selbst der hinfällig ist, weil unnötig.

      Viel Erfolg und Durchhaltevermögen! 🙂

  11. Hallo,

    mich beschäftigt im Moment auch sehr die Frage des Zusammenhangs von HB und HSP. Bei meiner sechsjährigen Tochter wurde eine hohe Begabung getestet und sie lernt auch sehr schnell. Besonders auffällig bei ihr ist aber ihre Sensibilität. Sie scheint hunderte Antennen zu haben, alles in sich aufzusaugen und kommt dann mit der Regulierung und Verarbeitung der Reize nicht zurecht. Sie ist dadurch immer unausgeglichen und kann sich kaum entspannen. Es ist für uns alle sehr anstrengend. Jetzt bin ich im Netz auf Kazimirz Dabrowski gestoßen, der in den 60ger Jahren über die Verbindung von HB und HSP geforscht hat. Er sprach von „Overexcitabilities“, die in ganz verschiedenen Bereichen liegen können. Leider scheint er in Deutschland fast unbekannt zu sein, dabei sind seine Theorien hochinteressant. Hier ein Link: http://giftedkids.about.com/od/gifted101/a/overexcite.htm Vieles davon trifft auf meine Tochter (und mich) zu, sehr spannend.
    Wissen Sie vielleicht etwas darüber?

    Viele Grüße
    Lena B.

    • Hallo Lena,

      ich hatte gehofft, es würde vielleicht jemand antworten. Denn ich kenne ihn und seine Theorien nicht.

      Sie sind herzlich eingeladen einen Gastbeitrag zu schreiben. Vielleicht mit einer Zusammenfassung oder einem Aspekt, den Sie rausgreifen, weil er Ihnen wichtig erscheint.

      Viele Grüße,

      Manon

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