Sep 162014
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Selbstbewusstsein

Woran erkennt man Menschen mit Selbstbewusstsein? Und wie kann eine Selbstbewusstsein-Fassade von einem wahren Selbstbewusstsein unterschieden werden? Gibt es Anzeichen für Selbstbewusstsein? Und wenn ja, welche? Oder erkennt man eher die Zeichen, wann jemand kein Selbstbewusstsein hat?

Sich selbst bewusst sein

Was bedeutet Selbstbewusstsein? Eine Person ist sich selbst bewusst, weiß, was sie im Stande ist zu leisten, was sie kann und was nicht. Sie weiß, welche Leistungen sie erbringen kann und kennt ihre Grenzen. Ebenso weiß sie, was sie wert ist. Durch dieses Bewusstsein tritt diese Person selbstsicher auf. Denn das Wissen und das Bewusstsein in die eigenen Fähigkeiten gibt Sicherheit und Vertrauen.

Selbstbewusstseins-Fassade

Ich kenne Menschen, die zeigen nach außen genau diese Facetten, sodass ich meinen könnte, dass diese Personen selbstbewusst sind. Aber es bleiben Zweifel, weil in verschiedenen Handlungen oder Reaktionen ein selbstbewusster Mensch souveräner und entspannter reagiert hätte. Ein selbstbewusster Mensch muss nicht Recht behalten. Er nimmt Menschen so, wie sie sind und respektiert sie. Tun das die vermeintlichen selbstbewussten Menschen nicht, bleiben Zweifel und der Verdacht hegt sich, dass es sich um eine Fassade handelt. Bei mir habe ich erfahren dürfen, dass eine Fassade nicht/kaum zu erkennen ist. Oftmals sogar noch nicht Mal von der Person selbst. Es gibt verschiedene Arten von Fassaden.

Immer gut drauf

Da gibt es die Personen, die immer gut drauf sind. Bei denen gibt es keine/kaum Tiefpunkte und wenn, dann nur, um daran zu wachsen. Sie lachen immer, auch wenn Sie am Boden liegen. Diese Personen haben keine Zeit zu trauern, weil sie schon wieder den nächsten Zielen hinterher rennen. Bloß keine Zeit verlieren, um das Leben noch positiver zu gestalten. Meisten erzählen diese Menschen auch viel, was sie alles tolles wieder geschafft oder erreicht haben. Selten genießen diese Menschen ihre Erfolge für sich. Dabei sind Erfolge bei selbstbewussten Menschen lediglich für sich selbst. Es gibt keine/kaum Phasen des Durchschnaufens. Manche von ihnen sind in der Zukunft unterwegs. Damit entfällt die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und auch der Gegenwart wird davongelaufen. Der Blick ist stur auf das nächste Ziel gerichtet und darauf „immer gut drauf zu sein“.  Dafür wird gerne übertrieben. Es wird aufgerundet und beschönigt, alles für den schönen Schein.

Besserwisser

Dann gibt es Personen, die anderen „aus Erfahrung“ sagen, was alles nicht geht. Es wird unter dem Deckmantel der Fürsorge bei allem kritisiert und ungefragt mitgeteilt, was es zu verbessern gibt. Es wird auf Dinge hingewiesen, die noch nicht perfekt sind, denn für dieses Menschen gilt nur Perfektionismus als Ideal und erstrebenswert. Der Blick gilt den Schwächen, die (gefälligst) abzustellen sind. Indem den anderen Personen mitgeteilt wird, was bei denen noch nicht perfekt ist, kann sich zum einen als Besserwissende aufgespielt werden, diese Personen fühlen sich gut, weil sie glauben mit ihrer ständigen Kritik und den Verbesserungsvorschlägen den anderen etwas Gutes zu tun, sie fühlen sich als Samariter und vergessen, dass ihre Äußerungen nicht gewünscht noch eingefordert wurden, und zum anderen, wird von sich abgelenkt. Wer zu anderen blickt, hat keinen Blick mehr für sich selbst. Dabei ist bekannt, wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst.

Gibt es überhaupt selbstbewusste Menschen?

Blicke ich mich so um, sehe ich viele Menschen, aber keine, die vor Selbstbewusstsein strotzen. Noch nicht mal mit viel ausgestattet sind. Eher dümpeln alle bei kaum bis wenig oder gar nicht herum. Allerdings sehe ich Menschen, die glauben, dass sie selbstbewusst sind. Davon gibt es viele, mit den negativen Strategien, wie oben beschrieben.

Wohin führen die Strategien?

Personen ohne Selbstbewusstsein versuchen diesen Umstand (unbewusst) zu verheimlichen. Menschen mit ihren Fassaden benutzen folgende Werkzeuge: sich wichtig machen, übertreiben, anderen vorspielen wie schön ein perfektes Leben mit Selbstbewusstsein wäre, andere schlecht oder klein machen, von sich ablenken, nie in die Tiefe gehen, immer an der Oberfläche lächeln. Das führt dazu, dass anderen – denen auch das Selbstbewusstsein fehlt – immer und immer wieder vermittelt wird, dass ihr Leben nicht gut und erstrebenswert ist. Es wird vermittelt, dass es etwas gibt, was glücklich macht. Dass es ein Leben in 100% Zufriedenheit gibt. Womit die Personen ohne Selbstbewusstsein immer tiefer fallen und damit wiederum umso vehementer versuchen davon abzulenken, dass dem so ist. Womit ein Kreislauf beschrieben ist, der nicht endet und sich selbst nach unten zieht.

Welche Lösung gäbe es?

Das Menschen lernen zu sich zu stehen. Mit allem was sie sind und haben. Es gibt keine perfekte Person und das sollte auch nicht mehr angestrebt werden. Es gibt auch kein gesundes Leben, welches immer aus Glück und Zufriedenheit besteht. Negative Gefühle zu erleben, auszuhalten und zu leben, gehört zu einem erfüllenden Leben dazu. Auch das Wissen, dass die Menschen, die einem am meisten kritisieren, diejenigen mit dem wenigsten Selbstbewusstsein sind, hilft, sich davon zu befreien und die Kritik als solche einzusortieren. Und es gilt den Blick zu sich wenden und weg von den anderen.

Nehmen Sie sich als Person wahr und wichtig

Sich wahrnehmen mit allem, was da ist. Und weg von dem, was andere vermeintlich haben bzw. einem vorspielen. Denn selten sind die „immer gut drauf“ Menschen wirklich glücklich. Selten wissen die Besserwisser alles, sie vermitteln oftmals lediglich den Eindruck, als wüssten sie alles, aber das ist eine Lüge. Suchen Sie sich andere Vorbilder, weg von den Fassaden hin zu den in-sich-ruhenden-Personen. Davon gibt es einige, die sind nur vorher nicht aufgefallen. Vor lauter „ich-bin-immer-glücklich-Menschen“ sind die wahren selbstbewussten Menschen untergegangen, denn diese müssen nicht prahlen, nicht übertreiben, nicht schauspielern. Und trauen Sie sich einfach mal Dinge zu tun, die Sie für sich tun und wo Sie vielleicht ganz bewusst mal gegen den Strom schwimmen. Probieren Sie es aus!

Machen Sie für sich den Anfang, andere werden folgen. Aber warten Sie nicht, dass andere beginnen. Den ersten Schritt müssen Sie für sich tun. Jetzt.

In diesem Sinne wünsche ich viele Schritte auf Ihrem Weg,

eure

Manon García

Manon Garcia - Autorin und Coach

Diplom-Ingenieurin Manon Garcia arbeitet als Autorin und Coach. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der (spät erkannten) Hochbegabung, der Hochsensibilität und dem Anderssein. Aktuelle Informationen finden Sie auf ihrer Website: www.manongarcia.de. Aktuelle Ratgeber zu den Themen: - Hochbegabung bei Erwachsenen - Hochbegabt oder hochsensibel - Das Anderssein leben.

  6 Responses to “Gesellschaft in der Selbstbewusstseinsfalle”

  1. Hallo Manon, hier haben wir ein Paradox, deswegen erübrigt sich eigentlich ein Kommentar:

    1) Sage ich, dass ich selbstbewusst bin, dann habe ich es anscheinend nötig, bin es mithin nicht.
    2) Stelle ich mein Licht unter den Scheffel, bin ich entweder zu bescheiden oder ich warte auf Widerspruch.
    3) Sage ich aber gar nichts, dann mag ich es sein, aber es fällt keinem auf.

    Ich sage jetzt aber etwas, und zwar, dass ich den Beitrag gut fand, aber eben schwer zu kommentieren!

    Viele Grüße aus Berlin
    Klaus

  2. Hallo Manon, klaren und starken Tekst hier von dir. Für mich ist in diesen Bezug sehr hilfreich, diesen Sommer: einen starken persönliche Krise! Zurückgeworfen auf mich, durch u.a. Vipassana Meditation und die totale Anerkennung der Schwächen – oder was immer nicht gesehen und verstanden werden wollte, weil es nicht als Eigenschaft, aber als Schwäche „aus das Bild geschoben“ war… Damit habit ich mittlerweile ein bisschen mehr Selbstkenntnis erworben, und damit ein erneutes Selbstbewusstsein, das ehrlicher und klarer ist. Dabei ist das hochbegabte Denken als teilweise Ursache der Krise aufgetaucht, wonach es sich wieder als Talent bewies, um Klarheit ins Neue Selbstbewusstsein zu bringen. (Drück ich mich – als Niederländer in Süd-Deutschland – klar genug aus?) HG, Ton

  3. Liebe Manon,

    danke für diese ehrlichen und wertvollen Zeilen.
    Als hochbegabter Mensch ist es, denke ich, besonders schwer seinen Weg zu finden, weil man sich mit seinen Fähigkeiten / Gedanken und vielleicht auch extremen Emotionen kaum einordnen kann. Ich hatte in den letzten Jahren einige schlimme Verluste hinzunehmen und bin manchmal an der für mich oberflächlichen und besserwisserischen Kommentaren fast zerbrochen. Nach außen hat mir das jedoch fast keiner angemerkt.
    Oft fühle ich mich noch als Alien mit hohen Ansprüchen an mich und mein Umfeld, doch seit ich mich und mein Anderssein akzeptiert habe, wird es mit jedem Tag etwas besser.

    Viele Grüße
    Tamara

    • Liebe Tamara,

      die Akzeptanz des Andersseins ist es, was uns oftmals zu ganzen Menschen werden lässt. Zumindest fühlt es sich oftmals so an.

      Viel Kraft und Mut wünsche ich dir weiterhin auf deinem Weg! 🙂

      Viele Grüße,

      Manon

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