Aug 202016
 
Manon Garcia - Autorin und Coach für Hochbegabung und Hochsensibilität. Ratgeber: "Hochbegabung bei Erwachsenen" und "Hochbegabung leben". Expertin für Hochbegabung.

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Gute-Laune-Menschen

Es gibt (viel zu) viele Menschen, die immer gut drauf sind, immer für andere da sind, sich immer hinten an stellen, immer Verständnis haben oder zeigen, nie nein sagen, immer können …

Diese Menschen mögen alles, sind mit allem einverstanden, sind mit allem zufrieden. Bewundernswert – oder nicht? Diese Menschen werden beneidet. Mensch, schau mal, XY ist immer so gut drauf. Dann wird überlegt, warum diese Person das schafft und man selbst mitunter nicht. Allerdings sollten Sie froh sein, wenn Sie nicht so sind!

Menschen ohne Grenzen

Diese Menschen werden bewundert, aber die Frage ist, ob man diese nicht bemitleiden sollte. Denn diesen Menschen fehlt mitunter etwas gravierendes im Leben: eine Grenze. Eine Grenze, die einem selbst sagt, bis hierhin und nicht weiter, aber auch anderen verdeutlicht, bis hierhin und nicht weiter. Es ist ein Schutz in beide Richtungen, für die Person selbst und für andere, die dann nicht in die Gefahr geraten grenzüberschreitend aufzutreten oder sich zu verhalten.

Fehlende Grenze als Ausrede

Was steckt meistens dahinter, wenn eine Person sich so verhält? Oder anders, was muss diese Person niemals sagen, wenn sie sich so verhält? Genau! Nein.

Diese Person muss nicht nein sagen, nicht sagen, wenn sie etwas nicht will, sie wird andere nicht belasten, weil sie ja mit allem einverstanden ist, es muss keine Extrawurst gekocht werden, … Ein idealer Mensch, den viele gern in ihrer Nähe haben. Aber will man mit so einem Menschen wirklich etwas unternehmen? Ein Mensch, der nicht existiert, sondern immer das toll und richtig findet, was gerade die Person in ihrer Nähe toll und richtig findet. Ist das erstrebenswert?

Schutz vor fehlendem Selbstvertrauen

Es hat natürlich Vorteile! Wenn ich nicht nein sage, keinen Vorschlag ausschlage oder ablehne, dann werden die anderen Menschen auch nicht enttäuscht, traurig, verletzt, … sein, weil sie ja alles bekommen, was sie sich (vermeintlich) wünschen. Denn, wenn man genau hinschaut oder nachfragt, mögen die Menschen es nicht, wenn man ihnen nach dem Mund spricht. Aber das Verhalten der Gute-Laune-Menschen ist oftmals so perfektioniert, dass es sehr authentisch erscheint.

Lob, Anerkennung und Liebe winken

Die Vorteile, sind nicht zu verachten. Wer kein Selbstvertrauen hat, nicht nein sagen kann, der wird gut mit der Gute-Laune-Methode verfahren. Auch wird ihm Freundlichkeit und Liebe geschenkt. So einen Menschen „muss“ man ja lieb haben. Und nicht nur das, man wird lobend erwähnt, andere sollten sich gefälligst an diesen Menschen ein Beispiel nehmen! Man erhält also auf zwei Seiten Lob, Anerkennung und Liebe. Wer sagt da schon freiwillig nein?

Kehrseite der Medaille

Ein Mensch, der immer nur im Außen schaut, was andere wollen, spürt sich selbst nicht mehr (oder unzureichend). Zudem fragt sich dieser Mensch selten/nie, was er sich wünscht, was er liebt, da es nicht gefragt ist. Es geht ja immer um die anderen. Diese Menschen sind deshalb auch meistens viel mit anderen Menschen Zusammen. Wären sie (zu oft) alleine würden sie feststellen, dass sie innerlich hohl sind. Sie wissen mitunter nicht wer sie sind, weil sie sich mit den Wünschen von anderen füllen. Diese Leere hält kein Mensch aus, weshalb die Nähe von anderen Menschen gesucht wird.

Fehlender Umgang mit negativen Gefühlen

Wer andere Menschen immer/meistens glücklich oder zufrieden macht, lernt keinen Umgang mit negativen Gefühlen. Begegnen diese einem Menschen mit schlechter Laune, versuchen sie alles, um diesen Menschen wieder aufzumuntern. Meistens funktioniert das ja auch, aber was, wenn nicht? Dann flüchten diese Menschen, weil sie die Panik überkommt. Sie haben den Umgang mit negativen Gefühlen mitunter nicht gelernt. Nicht bei sich und nicht bei anderen. Sie füllen sich nur mit positiven Gefühlen, zu denen sie anderen verhelfen.

Leere Hülle ohne ein eigenes Ich

Das Schlimmste ist, dass der Gute-Laune-Mensch mitunter nicht weiß, wer er/sie wirklich ist. Der Blick zu sich musste versperrt werden, sonst hätte man nicht so oft die Wünsche der anderen erfüllen oder ihnen zustimmen können. Auch mussten Grenzen ignoriert oder abgetrennt werden, da dieses Verhalten sonst nicht möglich gewesen wäre. Aber ein leerer Menschen ohne Grenzen ist kein Mensch. Nicht wirklich. Äußern tut sich das meistens in Krankheiten oder Schmerzen. Das ist dann das Signal, wo auch ein Gute-Laune-Mensch mal innehalten sollte. (Zum Thema Körpersignale beachten und verstehen habe ich einen Beitrag geschrieben.)

Gute-Laune-Menschen können sich ändern

Jeder Gute-Laune-Mensch kann ein kompletter und authentischer Mensch werden. Hier müssten bestimmte Verhaltensweisen geändert werden. Am besten wäre es, wenn man sich vor jeder Begegnung bewusst macht, wozu man Lust hat oder was man möchte. Da der Gute-Laune-Mensch oftmals automatisch agierte, werden weiterhin Situationen entstehen, in denen sie sich nicht selbst fragen können, was sie denn möchten/wünschen. Das ist nicht schlimm, denn im Nachhinein bestünde genügend Zeit, um die zurückliegenden Situationen Revue passieren zu lassen. Da kann in Ruhe analysiert werden, wo welches Verhalten wofür herhalten musste.

Harter, aber glücklich machender Weg

Aber es funktioniert. Stück für Stück können sich Gute-Laune-Menschen ihr eigenes Leben zurückholen, sich von innen aufbauen und ihren Weg gehen. Das wird nicht immer einfach sein, weil zu diesem Leben Grenzen setzen, einfordern und Nein sagen gehört, aber er ist machbar. Und blicken diese Menschen dann eines Tages zurück, dann werden sie dieses mit stolz geschwellter Brust tun. 🙂

Und sollte auf diesem Weg zu Ihnen gesagt werden, „Du hast dich verändert. Früher warst du immer gut drauf“, dann wissen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Nehmen Sie es als Kompliment! 🙂

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute!

Eure,

Manon García

 

Manon Garcia - Autorin und Coach

Diplom-Ingenieurin Manon Garcia arbeitet als Autorin und Coach. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit der (spät erkannten) Hochbegabung, der Hochsensibilität und dem Anderssein. Aktuelle Informationen finden Sie auf ihrer Website: www.manongarcia.de. Aktuelle Ratgeber zu den Themen: - Hochbegabung bei Erwachsenen - Hochbegabt oder hochsensibel - Das Anderssein leben.

  2 Responses to “Gute-Laune-Menschen zu beneiden oder bedauern?”

  1. na ja, das ist leider sehr verallgemeinert. man kann auch ein gute laune mensch sein, dennoch selbstvertrauen haben und deutliche grenzen ziehen! das hat nichts mit guter oder schlechter laune zu tun ! evtl etwas mit emotionaler i
    ntelligenz,-)

  2. Ich sehe dieses Thema ebenfalls etwas differenzierter. Ich lasse mir doch von einem Miesepeter nicht meine gute Laune verderben, das ist auch gesunde Abgrenzung. Ich liebe mein Leben und mich mit allem drum und dran. Ich habe meistens gute Laune und bin sehr stolz auf mich, dass ich meine innere Wahrnehmung aufrechterhalten kann trotz eines „Sturmes“ der um mich herum tobt. Als mein Hund starb habe ich Rotz und Wasser geheult, trotzdem habe ich gleichzeitig auch Dankbarkeit und Freude empfunden, dass ich dieses tolle Individuum kennenlernen, begleiten und sooo viel durch ihn lernen durfte. Ähnlich ging es mir auch bei Trennungen von Beziehungspartnern etc. Die eigene „schlechte Laune“ an seinem Umfeld auszulassen finde ich dagegen eher unreflektiert und unreif. Stattdessen kann man einfach offen und ehrlich kommunizieren mit einem „du mir gehts heute nicht so gut“ und schon weiß jeder bescheid und es kommt gar nicht erst zu diesem hin und her projizieren…

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